Täglich werden 200 Katzen gefüttert

Verein hilft den Tieren im Bremerhavener Fischereihafen

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 26.11.1998)


Bremerhaven. "Piefke, komm doch mal her, zeig' dich dem Fotografen." Anke Mandel versucht, den kleinen Kater zu locken, aber Piefke springt lieber mit einem großen Satz auf die Dunstabzugshaube. Er lebt mit fünf anderen jungen Katern in der Babystation des Vereins "Wild & Frei" Katzenhilfe Bremerhaven, der sich um die freilebenden Katzen im Fischereihafen kümmert.

Katzen im Hafen haben schon Tradition. Sie werden von den meisten ansässigen Firmen geduldet. Schließlich helfen sie, die Ratten und Mäuse in Schach zu halten. Allerdings werden immer wieder neue Katzen ausgesetzt. "Die fangen wir dann ein, kastrieren und entwurmen sie und setzen sie dann wieder am Fundort aus", erzählt Anke Mandel, Vorsitzende des Vereins. "Wenn sie noch sehr jung sind, kommen sie in unsere Babystation, werden dort aufgepäppelt. Wenn sie handzahm sind, vermitteln wir sie gegen eine geringe Schutzgebühr - damit sie nicht in falsche Hände kommen."

Schlechte Erfahrungen gemacht

Mit falschen Händen haben die meisten Katzen im Fischereihafen schlechte Erfahrungen gemacht. Piefke, der sechs Monate alte Kater, ist sehr verschmust, aber vor Händen hat er Angst, erzählt Anke Mandel. "Wozu manche Menschen fähig sind, ist fürchterlich", beklagt sie sich. "Hundebesitzer hetzen ihre Hunde auf die Hafenkatzen, und Autoraser machen sich einen Spaß daraus, die Tiere zu überfahren."

Die tägliche Aufgabe des Vereins ist das Füttern der etwa 200 Katzen im Hafengebiet. Sobald der Wagen von Anke Mandel auf die große Wiese am Baggerloch fährt, kommen die Katzen aus ihrem Versteck. "Angefangen haben wir mit ein paar Dosen Katzenfutter, aber das reichte natürlich nicht. Die Katzen waren alle krank, ihre Fressplätze waren dreckig, das waren unhaltbare Zustände", erinnert sich Anke Mandel.

Schlaf- und Futterplätze eingerichtet

Mittlerweile kümmern sich sieben Frauen aus dem Vorstand um alle Katzen im Hafen. Aus Holzkisten und Styropor, die im Hafen herumliegen, haben sie den Katzen Schlaf- und Futterplätze hergerichtet. Täglich brauchen sie über 100 Dosen Katzenfutter und acht Kilo Trockenfutter. "Monatlich sind das über 1600 Mark reine Futterkosten, da sind die Arztrechnungen noch nicht einmal mitgerechnet."

Die 60 Mark Jahresbeitrag, die die 22 Mitglieder zahlen, reichen da nicht lange. Deshalb ist der Verein auf Spenden angewiesen. Und Anke Mandel und die anderen Frauen zahlen oft genug noch aus eigener Tasche drauf. "Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um so etwas zu machen", lacht Anke Mandel, "aber die gesunden moppeligen Katzen sind das schönste Lob." (bik)

 

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