Delfin-Haut und Hafenschlick

Doktorandentag am Alfred-Wegener-Institut sorgt für Austausch

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 26.5.2000)


Bremerhaven. 130 Doktoranden aus aller Welt forschen an den vier Standorten des Alfred-Wegener-Instituts (Awi) in bremerhaven und Potsdam, auf Sylt und Helgoland. Da verliert man leicht die Übersicht. Eine Abhilfe schaffte der erste Doktorandentag, der gestern in der Awi-Zentrale an der Columbusstraße stattfand.

"Bei so vielen Doktoranden kann man sich gar nicht immer kennen", sagte Stephanie Ronski, Mitorganisatorin der Veranstaltung. Mehr als 80 junge Wissenschaftler nutzten daher die Gelegenheit, sich und ihre Arbeiten auf Postern vorzustellen und Anregungen zu bekommen. Stephanie Ronski: "Die Präsentation ist eine wichtige Aufgabe in der Wissenschaft, und das Thema auf einem Poster zu formulieren, ist eine übliche Form."

Von der Arktis bis zur Genetik

Zwischen den Plakatwänden entwickelten sich intensive Gespräche zwischen Doktoranden, Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern. In elf Themengruppen gliederten sich die Arbeiten, darunter Arktis und Antarktis, Genetik, Naturstoffe, Plankotolgie, Kohlendioxid-Haushalt und Klimaforschung.

Über das Klima forscht auch die 26-jährige Stephanie Ronski. "Der Ozean ist wie ein Klimagedächtnis." Anhand von Daten, die sie auf dem Forschungsschiff "Polarstern" entnommen hat, misst sie Veränderungen des Tiefenwassers und zieht Rückschlüsse auf das Klima.

Von Erdbeben bis Erdölverschmutzung

Andere Fragen der Doktoranden sind, was mit Küstenvögeln geschieht, wenn der Strand weggeschwemmt wird oder welchen Einfluss die Entsorgung des Hafenschlicks in der Wesermündung auf Kleinstlebewesen hat. Die Erdbeben-Forschung der Neumeyer-Station in der Antarktis ist ebenso Thema wie der Einfluss der Erdölverschmutzung auf das Verhalten des europäischen Hummers.

Christof Baum hat sich ein ganz anderes Gebiet gesucht: Er untersucht die Haut von Delfinen. "Mir ist aufgefallen, dass manche Delfin-Arten kaum von Kieselalgen und Bakterien bewachsen sind. Sie bauen einen gel-artigen Schutzfilm aus Eiweiß und Fett auf, den ich jetzt analysiere." Die Proben entnimmt er bei den Faröer-Inseln.

Schutzfilm als Schiffanstrich

Wenn der 31-Jährige die Zusammensetzung dieses Schutzfilmes genau aufgeschlüsselt hat, könnte eine Farbe für den Schiffsanstrich entwickelt werden, die eine ähnliche Funktion übernimmt. Baum: "Das ist aber noch Zukunftsmusik." (bik)

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