"hamburgerblau" kommt aus Seestadt

Designer Veit Mahlmann hat viele neue Ideen im Kopf - Eigenes Studio in Altona gegründet

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 31.5.2000)


Bremerhaven/ Hamburg. Als Veit Mahlmann vor 25 Jahren von Bremerhaven wegzog, ahnte er nicht, dass Produkte, zu deren Entstehung er wesentlich beitrug, eines Tages in vielen Badezimmern stehen würden. Bekannte Parfümflakons hat er mit Stardesigner Peter Schmidt gestaltet. Jetzt hat er sich mit "hamburgerblau" selbstständig gemacht.

Dabei hatte der 43-Jährigen großes Glück auf seinem Weg. Nach dem Abitur an der Humboldtschule ging er zur Bundeswehr und studierte dort. Ein anderes Studium hätten seine Eltern - sein Vater war Seiler in Grünhöfe - nicht finanzieren können. Maschinenbau versuchte er, dann Wirtschafts- und Organisationswissenschaften. "Das hat nicht meinen Hang zur chaotischen Organisation gezügelt, aber ich bin heute einer der wenigen Designer, die gelernt haben, wie Ökonomie funktioniert."

Zufall brachte Mahlmann auf den Weg

Die Bundeswehr verließ er als Leutnant, aber ohne Studienabschluss. Zu dieser Zeit entdeckte er sein schlummerndes kreatives Potenzial. Er bewarb sich bei der Hamburger Hochschule für bildende Künste für Industrial Design. Während des Studiums lernte er per Zufall Peter Schmidt kennen, einen damals schon bekannten Graphik- und Verpackungsdesigner.

Nach einem sechswöchiges Praktikum in den "Peter Schmidt Studios" bot ihm Schmidt an, dauerhaft bei ihm weiter zu arbeiten. "Aber ich brauchte das Gefühl, einmal etwas mit Diplom zu beenden." Als ein wichtiger Auftrag von Estée Lauder anstand, wurde Mahlmann erneut gefragt: Innerhalb von drei Wochen musste ein Flakon entworfen werden. "Da gab es keine Zeit nachzudenken, ich habe Peter geholfen." Nach der Präsentation haben die New Yorker einen Riesenstrauß Blumen geschickt, so begeistert waren sie.

Vom Flakon bis zum Einkaufszentrum

Sein Studium brachte er dann doch nicht zum Ende, aber das hat er nie bereut. "Ich habe in einem Jahr bei Peter Schmidt mehr gelernt als an der Hochschule." Gemeinsam gründeten sie die Agentur "Peter Schmidt Veit Mahlmann Design". Nach sieben Jahren schlug sein Mentor vor, die Agentur in "Veit Mahlmann & Partner" umzutaufen. Immer häufiger gestaltete man nun auch Messestände, Shops, Restaurants oder Dinge wie Türdrücker, Trinkgläser oder auch Bad-Accessoires. Und jetzt ist wieder etwas Neues angesagt.

In Altona entfaltet das Team um Mahlmann seine Kreativität in einem Büro- und Fabrikgebäude aus den 60er Jahren. Shampooflaschen für Henkel werden ebenso skizziert und modelliert wie Toilettenpapierhalter, ein "orientalisches" Einkaufszentrum oder viele Flakons der Lancaster-Gruppe, zu der auch das Parfum Joop! gehört. 50 000 bis 100 000 Mark kostet allein die Entwicklung der Parfümfläschchen. Bis zu 30 Stunden dauert es, ein Modell aus Acryl zu bauen.

Mahlmann hat Visionen

Aber "hamburgerblau" ist nicht nur ein Designbüro, es ist ein visionäres Konzept. Eine Akademie für Absolventen der Kunsthochschule, eine Werbeagentur, ein Büro für Webdesign und als besonderes Steckenpferd von Mahlmann eine eigene Cocktail-Bar sollen dazu kommen. Unter dem großen Dach von "hamburgerblau" werden die Gewinne geteilt. Und als Fernziel träumt Mahlmann von einem "global network of design": Weltweit arbeiten Designer und andere Kreative gemeinsam an jeweils für das Land zugeschnittenen Produkten.

Am Anfang steht jetzt aber erst einmal "hamburgerblau". Zum kuriosen Name gehört auch eine kuriose Anekdote: Als Mahlmann mit seinen beiden Söhnen und seinen Eltern Urlaub auf Mallorca machte, sahen sie auf dem Meer eine große Yacht – in schwarz, wie seine Mutter meinte. Als Segler wusste er, dass es dunkelblau sein musste. "In Kennerkreisen ist diese Farbe aber auch als ‚Bremerhavener Schwarz’ bekannt", scherzte er. Sein neunjähriger Sohn malte später die Yacht und nannte sie ‚Hamburgerblau’. Ein passender Name auch für die neue Firma, wie beide fanden.

"Inspiration einer Weltstadt fehlt"

Mit dem Werbespruch des Stadtmarketings "Bremerhaven blaustark" habe das allerdings wenig zu tun, lacht Mahlmann. Die Seestadt besucht er nur selten, auch wenn er noch gute Erinnerungen daran hat. Aber: "Dort hätte ich nicht werden können, was ich heute bin. Die Inspiration einer Weltstadt fehlt ein wenig." (bik)

 

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