Englischunterricht bei Amerikanerin

Frau des US-Army-Commanders kommt regelmäßig in die Gaußschule – Besichtigung eines Autotransporters

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 8.6.2000)


Bremerhaven. Einen ungewöhnlichen Englischunterricht hat die Klasse 5e der Gaußschule seit einigen Monaten: Einmal in der Woche kommt Shari Ariail, die Ehefrau des US-Commanders der 950. Transportation Terminal Company und unterhält sich mit den Kindern auf Englisch.

"Shari ist total nett", sagt Amélie Engfer begeistert. "Und der Unterricht mit ihr macht super Spaß", ergänzt ihre Freundin Jana Kathalena Dierks. Gemeinsam singen sie amerikanische Kinderlieder, sprechen darüber, wie man in Deutschland und in Amerika lebt, lesen Geschichten.

Hörverständnis schulen

"Manchmal besuchen mich die Kinder auch nachmittags zu Hause", erzählt Shari Ariail, die Rechtsanwältin war, bevor sie mit ihrem Mann nach Deutschland kam. Dann backen sie Kekse, spielen Monopoly oder mit Sharis einjähriger Tochter Isabell. Die Verständigung läuft mit Händen und Füßen, und wenn gar nichts anderes hilft, wird das Wörterbuch befragt.

Die Idee zu der ungewöhnlichen Art, Englisch zu lernen, hatte Roswitha Fütterer, die Lehrerin der 5. Klasse. Sie ist sehr zufrieden mit dem "Native-Speaker-Unterricht": "Die Kinder lernen schon früh, sich auszudrücken und schulen so ihr Hörverständnis."

Besuch eines Autotransporters

Das Verständnis war jetzt auf eine weitere ungewöhnliche Art gefordert: Gemeinsam mit Major Tom Ariail und Shari besichtigten die Schüler den Autotransporter "Faust" der Wallenius Line. Was normalerweise gar nicht möglich ist, verdankten die Fünftklässler den guten Beziehungen ihrer Lehrerin zum Deutsch-Amerikanischen Frauenclub und zur amerikanischen Armee.

Nur die Sicherheitshinweise waren auf Deutsch, danach hörten die Kinder auf Englisch, dass die "Faust" mehr als 5000 Autos auf ihren zwölf Decks transportieren kann, und dass auch Hubschrauber, Panzer und Traktoren von der amerikanischen Ostküste nach Bremerhaven kommen, um dann weiter auf den Balkan transportiert zu werden.

"Cookies and Soda"

In Sicherheitsweste und mit Helm auf den Köpfen ging es über Decks und Treppen auf die Brücke, wo der Kapitän die Kinder mit „Cookies and Soda“ – mit Keksen und Getränken – begrüßte, und ihnen das Echolot erklärte – ebenfalls auf Englisch.

"Das meiste hab ich verstanden", meint Jana Dierks am Schluss. Zur Not hilft Roswitha Fütterer in der nächsten Unterrichtsstunde nach. Auf jeden Fall war es für die 24 Schüler der Gaußschule eine spannendere Unterrichtsstunde als sonst. (bik)

 

Hier geht's zurück zur NZ