Ausländer oft unerwünscht

Viele Diskotheken haben Vorbehalte wegen "massiver Probleme" - Clubkarte oder Eingangskontrolle

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 4.11.2000)


Kreis Cuxhaven. Wenn Mario* tanzen gehen will, hat er ein Problem: Mit seinem italienischen Pass ist er in vielen Diskotheken im Landkreis nicht willkommen. Zum Beispiel im "Fun" in Loxstedt-Siedenwurth.

"Kann ich bitte Ihren Personalausweis sehen?", fragt ein schwarz gekleideter Sicherheitsmänner den Italiener vor dem Eingang, blättert dann in Marios Pass und bittet schließlich um die Clubkarte. "Keine? Dann dürfen wir Sie heute leider nicht einlassen."

Clubkarte schriftlich beantragen

Höflich, aber bestimmt erklärt Alex, der Sicherheitsmann, die Regelung: An Freitagen und Sonnabenden dürfen nur Stammgäste und Besitzer einer Clubkarte in die Diskothek. Diese kann schriftlich bei der Geschäftsleitung beantragt werden.

Von einer Diskriminierung will Alex nichts wissen: Kontrolliert würden alle Gäste, ob deutsch oder ausländisch. Und auch Peter Alwes vom Pressebüro der Fun-Betreiberfirma "G&T Gastro & Tanz" weist eine besondere Behandlung für Ausländer von sich: "Stichprobenartig werden Ausweiskontrollen vorgenommen. Und Clubkarten verlangen wir, damit sich niemand auffällig verhält."

Hausrecht gilt

Trunkenheit, nicht passende Kleidung, Pöbelei oder Waffenbesitz sind laut Alwes die Kriterien, weshalb die Clubkarte verlangt wird. "Dann haben wir die Personalien. Wer seine Daten preisgibt, hat nichts zu verbergen, und kommt rein." Doch Mario hat weder gepöbelt noch ist er angetrunken, und auch seine Kleidung ist angemessen schick. Trotzdem wird er nicht hereingelassen.

"Hausrecht" ist das Stichwort. Jede Diskothek kann festlegen, nach welchen Maßstäben sie ihr Publikum auswählt. "Dagegen kann man nichts machen", weiß auch Hartwig Drewes, Leiter der Polizeidienststelle Loxstedt. "Niemand hat einen rechtlichen Anspruch darauf, in eine Disko gelassen zu werden." Die Sicherheitskräfte am Eingang kriegten ihre Order, an die sie sich halten müssten. "Psychologische Feingefühl ist da zu viel verlangt."

"30 bis 50 können wir handhaben"

Dass Mario auch in anderen Tanzlokalen im Landkreis Schwierigkeiten bekommen könnte, geben die Besitzer offen zu. Nachdem es immer wieder zu Massenschlägereien zwischen ausländischen und anderen Gästen gekommen ist, wird im Hagener "pampam" Ausländern in größeren Gruppen kein Eintritt gewährt. Geschäftsführer Peter Meyer sagt aber: "Generell lassen wir einen bestimmten Anteil hinein." 30 bis 50 ausländische Gäste bekämen Einlass, diese Anzahl könne man noch "handhaben".

Obwohl es nach Angaben von Geschäftsführer Dieter Breitkreutz in der Debstedter Disko Isla Blanca in der Vergangenheit "massive Probleme" mit ausländischen Gästen gegeben hat, wurden die Clubkarten abgeschafft. "Die Türsteher wägen schon im Vorfeld nach eigenem Ermessen ab, wer hinein darf." Dass unter diesen Vorsichtsmaßnahmen auch unbescholtene Ausländer leiden müssten, käme leider vor, aber, so Breitkreutz: "Wir wissen nicht, wie wir sonst Herr der Lage bleiben können."

Mario ärgert sich darüber: "In Italien würde so etwas nie passieren." Und zu einem vereinten Europa passe das auch nicht. bik

*Name von der Redaktion geändert

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