Faltenbälge für den Markt in ganz Europa

Beerster Forma produziert jährlich 40 bis 50 Millionen Teile

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 10.11.2000)


Bad Bederkesa. Was haben Sicherheitswesten und Faltenbälge für Traktoren-Gangschaltungen gemeinsam? Beides wird von der Firma Forma hergestellt. Seit mehr als 20 Jahren produziert der Betrieb Warnkleidung und technische Teile aus Kunststoff im Gewerbegebiet Bad Bederkesa.

430 überwiegend weiche Kunststoffteile hängen im Büro von Michael Baumgarten, dem geschäftsführenden Gesellschafter eine Übersicht über die Produktvielfalt von Forma. "Vom Auflaufbremsschutz für Anhängerkupplungen bis Abdeckungen für Gabelstapler-Handbremsen stellen wir alles her, was aus Kunststoff gespritzt wird", erklärt Baumgarten.

Von Bederkesa in die ganze Welt

Dafür wird Kunststoff-Granulat erhitzt, in Formen gespritzt und mit Druckluft wieder gelöst. So entstehen zum Beispiel Faltenbälge in allen Größen, die von Bederkesa aus nach ganz Deutschland und Europa geliefert werden. Die Automobil-Branche mache dabei nur einen Bruchteil aus, betont Baumgarten: "Dafür sind wir zu klein. Wir beschränken uns auf Traktoren und andere Nutzfahrzeuge."

Immerhin werden jährlich 40 bis 50 Millionen Teile auf diese Weise produziert, schätzt Baumgarten. Daneben wird bei Forma auch getaucht: Aluminium-Formen werden in flüssiges Plastisol gesenkt und abgekühlt. Auf diese Weise können vor allem kleinere Serien und kompliziertere Teile produziert werden. Auch Räder von Behindertenrollstühlen werden ummantelt.

Abwechslungsreich und gute Chancen

Als Fred Quaars, Abteilungsleiter Spritzguss, 1986 seine Lehre bei Forma begann, standen dort sechs Maschinen, die in einer Schicht liefen. "Heute sind es bereits zwölf Maschinen, und manchmal arbeiten wir in drei Schichten", sagt der Industriemeister Kunststoff-Kautschuk. "Ich hatte keine Ahnung, was es hier zu tun gibt, als ich anfing." Doch der Beruf gefällt Quaars gut: "Es ist sehr abwechslungsreich. Ich habe nicht nur mit Kunststoff zu tun, sondern auch mit Werkzeug und Maschinen." Hinzu komme der Vorteil des kleinen Betriebes: Vom Ein- bis zum Verkauf bleibt alles in wenigen Händen und überschaubar.

Handwerkliches Geschick und Lust, mit den Händen zu arbeiten, seien eine wichtige Voraussetzung für die Lehre als Verfahrensmechaniker, sagt Quaars. Eine gute mittlere Reife und Interesse an Mathematik, Physik und Chemie sind ebenfalls wichtig. Firmenchef Baumgarten beklagt, dass die Berufsschule in Buxtehude ist. "Ohne Führerschein ist das vom Land aus nicht machbar." Wer allerdings die Ausbildung beendet, hat gute Zukunftsaussichten.

Strahlendes Gelb und Orange

Auch im zweiten Bereich des Betriebes, in der Produktion von Sicherheitsbekleidung, bildet Forma aus. Schwergewebekonfektionär heißt der Beruf dort. Hier schneiden die überwiegend weiblichen Mitarbeiter Rettungswesten zu und nähen die reflektierenden Streifen auf.

Strahlendes Gelb und Orange beherrscht den Nähraum. Der Bedarf an Sicherheitskleidung könnte laut Michael Baumgarten unerschöpflich sein. "Warnsignale sind im Straßenverkehr seit langem Pflicht, aber Rettungswesten sollten ebenfalls in jedem Auto liegen." Und was das europäische Ausland betrifft, ließen sich da auch noch einige Sicherheitsstandards verbessern alles neue Märkte für die Beerster Firma.

 

Hier geht's zurück zur NZ