Julian auf der Überholspur

Gesundheitszustand des Siebenjährigen hat sich nach Leukämie-Erkrankung deutich verbessert

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 11.11.2000)


Bülkau (Land Hadeln). Julian Griemsmann kann jetzt Rad fahren - ohne Stützräder. Das hat der Siebenjährige im Sommer gelernt. Vor zwei Jahren hätten seine Eltern nicht geglaubt, dass der Junge das einmal schaffen wird. Denn Julian war an einer seltenen Blutkrebs-Form erkrankt. texttexttext

Eine lymphatische Leukämie mit Gehirnbefall war die erschreckende Diagnose bei dem damals Vierjährigen. Eine intensive Bestrahlung konnte die Krankheit eindämmen. Doch im schlimmsten Fall hätte Julian nur noch eine Knochenmarkspende retten können.

Überwältigende Anteilnahme

Das Schicksal des Jungen aus Fickmühlen hatte damals eine große Welle der Hilfsbereitschaft bei den Lesern der NORDSEE-ZEITUNG ausgelöst: In einer Typisierungsaktion im Januar 1999 ließen sich mehr als 1300 Menschen in die Knochenmarkspenderdatei aufnehmen. Von der Anteilnahme war die Familie von Julian überwältigt: "Wir hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen helfen wollen", sagt die Mutter, Silke Dreyer-Griemsmann.

Bislang hat Julian noch nicht auf die Spenderdatei zurückgreifen müssen: Seine Werte sind seit mehr als einem Jahr stabil. Das bedeutet eine kleine Entwarnung für seine Eltern. Doch eine Garantie ist das nicht, weiß Vater Wilhelm Griemsmann: "Nach fünf Jahren ohne Rückfall ist die Hoffnung größer, dass nichts mehr passiert, aber sicher sein können wir nie."

Fortschritte in der Feinmotorik

Inzwischen ist die Familie von Fickmühlen wieder zurück auf ihren Hof nach Bülkau gezogen. Julian hat durch Ergotherapie einige Fortschritte in der Feinmotorik gemacht. Radfahren und auf einem Bein stehen kann er jetzt wieder - fast wie ein normales Kind.

Und seit dem Sommer besucht er auch eine ganz normale Schule. Basteln gefällt ihm am besten. Doch beim Lesen und Schreiben hapert es noch ein wenig. "Julian ist eben ein bisschen langsamer als andere Kinder", weiß seine Mutter. Eine integrative Klasse für behinderte und nichtbehinderte Kinder wäre deshalb ideal für ihn, doch so etwas gibt es in der Grundschule in Neuhaus nicht.

Im Sommer epileptische Anfälle

Alle vier Wochen muss der Siebenjährige noch zur Kontrolle in die Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf. Angst vor der Spritze hatte Julian nie, erzählt Vater Wilhelm: "Ran und weg war sein Motto. Doch je älter Julian wird, desto mehr Gedanken macht er sich über seine Krankheit. Und da wird ihm schon mal auf dem Weg zur Klinik schlecht."

Im Sommer litt der Junge plötzlich unter epileptischen Anfällen - wahrscheinlich eine Folge der Bestrahlung. Jetzt nimmt Julian Tabletten gegen die Krämpfe, und es geht ihm wieder gut. Trotzdem kehrt in solchen Momenten die Furcht vor einem Rückfall zurück: "Man lebt immer mit der Angst", sagt Wilhelm Griemsmann, "wir machen, was wir tun können, um Julian zu fördern, aber wir sind ernster geworden, lachen vielleicht weniger. Diese Krankheit hat unser ganzes Leben verändert." (bik)

 

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