"Welt hat Risse bekommen"

Bewegende Worte bei Trauerfeier um Opfer des Gasexplosion Heilsarmee dankt den Helfern

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 29.11.2000)


Bremen. Elf Kerzen und die gerettete Fahne der Heilsarmee erinnerten gestern im St.-Petri-Dom an die Opfer der Gasexplosion in der vergangenen Woche. Etwa 1000 Menschen nahmen in einem ökumenischen Trauergottesdienst Abschied von den Toten. Sie rangen mit der Tränen.

"Fassungslos" war der Regierungschef des Landes Bremen, Henning Scherf, angesichts der Katastrophe. "Es war, als wenn der Krieg in unsere Stadt zurückgekehrt wäre", schilderte er seine ersten Eindrücke am Unglücksort. Er wisse nicht, wie er trösten könne, aber es beruhige ihn, dass so viele Menschen geholfen hätten. "Wir wollen nicht nur beim Wegräumen der Trümmer, sondern auch beim Weiterleben zusammen rücken."

"Von Fragen gepeinigt"

"Bei dem Unglück ist der Schrecken in die Seelen gefahren", sagte Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz von der Bremischen Evangelischen Kirche. Mit jedem Tod sei eine ganze Welt von Erinnerungen gestorben. Und auch die Welt der Überlebenden und Angehörigen habe Risse bekommen

Er erinnerte in seiner Predigt auch an die Verantwortlichen der Gasexplosion: "Sie werden von Fragen gepeinigt, die nicht minder qualvoll sind als die der Hinterbliebenen." Wahrscheinlich hat ein Bagger bei Arbeiten vor dem Haus die Gasleitung beschädigt.

"Worte versagen"

Den zahlreichen Helfern von Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk und Arbeitersamariterbund dankte Oberst Werner Frei von der Deutschen Heilsarmee, die das Seniorenheim betrieben hatte. Sie hätten in "übermenschlicher Weise" Menschen gerettet.

Der Präsident des Diakonischen Werkes, Jürgen Gohde, erinnerte besonders an die zwei Altenpflegerinnen, die in dem Unglückshaus ums Leben kamen. "Das Unheil ereilte sie, als sie selbst Hilfe leisten wollten." Die katholischen Bischöfe von Hildesheim und Osnabrück sandten einen Beileidsbrief: "Vor der Sinnlosigkeit des Geschehenen versagen Worte."

Jede Hilfe kam zu spät

Nach dem Gottesdienst, der musikalisch bewegend vom Bläserensemble der Heilsarmee und einem Gospelchor gestaltet wurde, sprachen noch zahlreiche Trauergäste vor dem Dom über das Unglück. Ein THW-Mitarbeiter berichtetet einer Bewohnerin, die die Explosion unbeschadet überstanden hatte: "Das Schlimmste war, als wir die Frau, zu der wir anfangs noch Kontakt hatten, nur noch tot bergen konnten." Nur ihren Hund hätten sie lebend gerettet, für die Frau kam jedoch jede Hilfe zu spät. (bik)

 

Hier geht's zurück zur NZ