Natürlich singt er auch das Lied vom Wasserfloh

Gespräch mit dem Meister der italienischen Folklore: Angelo Branduardi im Januar in Bremen

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 15.12.2000)


Bremen. Es gibt ihn immer noch: den lombardischen Lockenkopf, den italienischen Meister der Folklore, Angelo Branduardi. Seit 25 Jahren ist der Geiger und Gitarrist durch seine Musik bekannt. Eines seiner bekanntesten Lieder: "La pulce d'aqua" (der Wasserfloh). Im Sommer brachte der 50-Jährige ein neues Album heraus. "L‘infinitamente piccolo" (das unendlich Kleine) basiert auf Texten, die der Heilige Franziskus von Assisi im 13. Jahrhundert geschrieben hat. Unser Redaktionsmitglied Birgit Köhler sprach mit dem Künstler, der am 12. Januar 2001 um 20 Uhr in die Bremer Glocke ein Konzert gibt.

Frage: Hat sich Ihre Musik in den vergangenen 25 Jahren verändert?

Branduardi: Ich glaube nicht. Ich bin geboren worden mit meiner Musik wie mit meiner Nase. Die Nase habe ich nicht chirurgisch verändern lassen, und ebenso wenig habe ich meine Musikalität verändert. Es hat eine sicherlich Evolution gegeben, aber keine Revolution.

Zurück zu den Wurzeln

Frage: Eine Evolution in welche Richtung?

Branduardi: Manchmal war es in der Vergangenheit etwas zu elegant geworden, zu intellektuell. Aber jetzt mit diesem neuen Album, mit den Texten des Heiligen Franziskus, habe ich einen Sprung zurück gemacht, zurück zu meinen Wurzeln. Und ich glaube, das ist besser. Die Entwicklung, die ich zwischenzeitlich hatte, hat mich nicht so befriedigt. Deshalb mag ich das neue Album so gern.

Frage: Die Texte stammen vom Heiligen Franziskus, das ist ungewöhnlich. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Branduardi: Einige Männer vom Franziskaner-Orden sind eines Tages auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob ich ihr offizielles Projekt für das Heilige Jahr 2000 verwirklichen würde. Am Anfang war ich perplex, denn ich wollte keine christliche Musik machen. Als ich sie fragte: "Warum bittet Ihr mich? Ich bin doch in Sünder", antworteten sie: "Gott wählt immer die Schlechtesten aus." Es war eine harte Arbeit, die mich mehr Transpiration als Inspiration gekostet hat. Der Franziskus-Text ist mehr als 2000 Seiten dick in einem sehr alten italienischen Dialekt. Ich musste extrem genau arbeiten, durfte kein Wort verändern.

Franziskus hatte moderne Ideen

Frage: Was ist die Botschaft von Franziskus?

Branduardi: Er war nicht nur ein heiliger Mann, sondern auch ein Mann mit sehr klugen und modernen Ideen. Sein Bild der Unendlichkeit zum Beispiel, das unendlich Kleine, mikroskopisch klein. Es bedeutet, die Unendlichkeit ist in dir selbst, und auch Gott ist ist in dir selbst. Außerdem gefällt mir an ihm, dass er der einzige Heilige war, der lachen konnte. Seine Biografen schreiben, er habe immerzu gelacht, er war voller Energie.

Frage: Franziskus ist wohl am bekanntesten für seine Tierliebe. Teilen Sie die?

Branduardi: Natürlich. Ich liebe Tiere und lebe zuhause mit einigen Hunden und Katzen. Dazu kommen noch die Tiere im Wald, die mir zwar nicht gehören, aber die ich oft sehe. Und dann habe ich einen Esel, der den Rasen schön kurz hält.

Bremen wie im Märchen

Frage: Sie waren bereits einige Male in Bremen. Wie ist das Publikum hier?

Branduardi: Sehr nett, und ich bin froh, dass wir dieses Mal wieder in der Glocke spielen. Dort ist die Atmosphäre netter als an anderen Spielorten. Ich erinnere mich an ein Mal vor einigen Jahren, da kamen wir in der Vorweihnachtszeit, das war wunderbar, mit den ganzen kleinen Buden draußen war es wie ein Märchen der Gebrüder Grimm.

Frage: Auf Ihrem Konzert im Januar werden die Zuhörer nur Stücke aus Ihrem neuen Album hören?

Branduardi: Nein, nein. Wir spielen "das unendlich Kleine" wie eine kleine Oper, aber wir spielen auch die alten Lieder, die dazu passen. Und natürlich auch die ganz alten Sachen wie "La pulce d‘aqua", es ist ein sehr langes Konzert. Und augenscheinlich mögen es die Leute, wir sind ja schon in Berlin und anderen Orten aufgetreten.

Keine Möglichkeit aufzuhören

Frage: Nach 25 Jahren kein Ende in Sicht?

Branduardi: Das hängt vom Schicksal ab. Solange ich das Gefühl habe, etwas sagen zu haben und solange es mir Spaß macht, glaube ich, dass es keine Möglichkeit gibt aufzuhören. Ich glaube, wenn ich aufhöre, dann sterbe ich kurz danach, also besser lebendig bleiben und weitermachen.

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