Zitterne Knie für eine gute Sache

Blutspende-Aktion im Schulzentrum Mitte

(veröffentlicht in der Nordsee-Zeitung, 7.2.2001)


Bremerhaven. Blass um die Nase waren einige Schüler und Schülerinnen des Schulzentrums Mitte am Dienstag Morgen schon. Sie hatten gerade einen halben Liter Lebenssaft verloren für einen guten Zweck. Erstmals spendeten Bremerhavener Schüler in einer großen Aktion Blut für das Deutschen Roten Kreuz (DRK).

Die Idee zu dieser außergewöhnlichen Aktion kam von Anna Franke. Die 18-Jährige hatte in einem Schuljahr in den USA erlebt, dass dort alle Schüler zwei Mal im Jahr Blut spendeten. "Dort ist jeder uncool, der da nicht mitmacht." Zurück in Deutschland, hat sie weiter gespendet, doch das reichte der Gymnasiastin nicht: Sie schlug dem DRK vor, eine Blutspendeaktion auch für Schüler anzubieten.

Schulleiter spendet schon lange Blut

Ihr Schulleiter, Wolfgang Englert, selbst ein alter Hase beim Blutspenden, begrüßte die Idee: Gemeinsam mit den Lehrern Günter Grundmann und Detlev Tscheslog und der Schülervertretung wurde der gestrige Termin organisiert. Nach Informationsveranstaltungen in der vergangenen Woche haben sich 130 Schüler und Schülerinnen über 18 Jahren spontan zum Blutzapfen angemeldet "eine gute Resonanz", findet Anna Franke. Sogar einige Jungen, die zunächst nicht mitmachen wollten, hätten sich dann doch eingeschrieben.

Als es dann schließlich so weit war, zittern manchem dennoch die Knie: "Ich weiß nicht, ob ich doch umkippe, es ist ja immerhin ein halber Liter Blut", meint Sophie Damm, als ihre Daten aufgenommen werden. Personalausweis zeigen, Fragebogen ausfüllen, Infoblätter durchlesen, das ist der erste Schritt. Anschließend folgt noch eine ärztliche Untersuchung, bevor es dann auf die Liegen ging.

Übung fürs Medizinstudium

"Letzte Chance, wegzulaufen", scherzt Manfred Hünken vom DRK, der im Spenderraum die Blutbeutel ausgibt und die letzten Formalitäten klärt. Dann legen sich die Spendewilligen, fast durchweg Erstspender, auf eine der sieben blauen Liegen.

Dazwischen und nebenan im Erholungsraum wuseln Schülerinnen und Schüler eines Biologie-Leistungskurse herum sie unterstützen die Profis vom DRK, schauen ihnen interessiert über die Schultern, halten Händchen, wenn jemandem schwindelig wird. "Ich will Medizin studieren, da ist das hier eine gute Übung", meint die Abiturientin Monika Semrau.

Beispirl kann Schule machen

Für Verpflegung ist anschließend in der Schulcafeteria gesorgt: Brötchen und Würstchen satt, dazu Getränke, alles kostenlos für die Spender. "Gar nicht so schlimm", resümiert Nils Partikel, der mit Stolz das Pflaster in seiner Armbeuge zeigt. "Das pikst nur ein wenig, aber es hilft ja Menschen." Und das, findet Anna Franke, sei einfach ein gutes Gefühl.

Etwa 60 Liter Blut sind bei diesem Termin zusammen gekommen 3000 Liter werden allerdings laut DRK täglich in den Ländern Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt benötigt. Doch die Aktion könnte Vorbild sein, hofft Direktor Englert: "So etwas würde sich für alle Schulzentren anbieten." In seinem Haus soll das Blutspenden auf alle Fälle wiederholt werden. (bik)

 

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