Probefahrt auf Datenhighway

Die Zukunft des Landesbreitbandnetzes ist ungewiss – Gutachten des Wirtschaftsressorts in der Kritik

(veröffentlicht im Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung, 16.7.2000)


Bremerhaven. Der Kampf um das Landesbreitbandnetz (LBN) geht weiter. Im Wirtschaftsressort gibt es Pläne, die breitbandige Internetverbindung für das Land Bremen in der jetzigen Form abzuschaffen. Dagegen regt sich Widerstand, auch in der Politik: "Ein Landesbreitbandnetz ohne Wirtschaft ist aberwitzig", sagt Frank Schildt, medienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft.

Gerade angesichts der politischen Bekundungen zum Medien-Programm "Bremen in T.I.M.E." seien diese Pläne kontraproduktiv, so Schildt. Grundlage der Überlegungen des Wirtschaftsressorts ist ein Gutachten, das Ende Juni vorgestellt wurde. Danach soll das Landesbreitbandnetz nicht so effektiv sein wie gewünscht. Das LBN wird durch Mittel des Investitionssonderprogramms finanziert. Hier könne man mehr als eine Million Mark sparen, wenn das Netz als „reines“ Wissenschaftsnetz erhalten bliebe – eben ohne die angeschlossenen Wirtschaftsunternehmen.

Schlussfolgerungen nicht nachvollziehbar

Das Gutachten wurde von den Befürwortern des LBN scharf kritisiert. So wurden zwar 144 Unternehmen, die angeschlossen sind, angeschrieben. Nur 23 Prozent haben jedoch geantwortet. Die Schlussfolgerungen der Gutachter aus diesen Antworten seien nicht nachvollziehbar.

Auch sei der Begriff des "reinen Wissenschaftsnetzes" sehr vage, sagt Bernd Peter Drawe von der landeseigenen Bremen Briteline GmbH, die das LBN pflegt und Projekte unterstützt. "Ob neben Schulen und Hochschulen auch die Krankenhäuser dazu gehören sollen, ist ungewiss." Unternehmen, die gerade neue Projekte angefahren hätten, seien auch in gewisser Weise wissenschaftlich tätig.

Entscheidung im Oktober

Ob und in welcher Form das LBN nach dem 1. Januar 2001 weiter besteht, wird voraussichtlich im Oktober entschieden. Trotz der noch ungewissen Zukunft des LBN macht sich die Briteline GmbH aber weiter daran, neuen Projekten auf den Weg zu helfen.

Zum Beispiel wurde vor zwei Wochen die ehemalige Carl-Schurz-Kaserne ans LBN angeschlossen. "Mehrere der hier ansässigen Firmen sind im IT-Bereich tätig und wünschten einen Anschluss ans Breitband", sagt Volker Osterloh, Geschäftsbereichsleiter Infrastruktur bei der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung (BIS).

Anschluss per Funkverbindung

Auf dem Carl-Schurz-Gelände wird sogar eine Technik verwendet, die zukunftsweisend ist: Per Funkverbindung werden die Daten zwischen den Gebäuden gesendet. Nur ein Stützpunkt ist tatsächlich mit unterirdischen Kabeln an das LBN angeschlossen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Teure Erdbauarbeiten werden vermieden, auch nachträglich können Gebäude ans Netz geschlossen werden. Diese Technik soll laut Briteline auch für die Verbindung der Schulen und der Hafenbetriebe verwendet werden. Ohne breitbandige Hauptverbindung durch das LBN sei die "wireless city Bremerhaven", also die kabellose Stadt, allerdings nicht denkbar, sagt Drawe.

Vernetzung, Multimedia, Videokonferenzen und E-Business sind Schlagwörter, die zurzeit viel diskutiert sind. Ohne Breitband können sie allerdings kaum funktionieren, ist sich Drawe sicher.

Langfristige Standortförderung

Sobald die Firmen die Technik tatsächlich effektiv einsetzen wollen, um zum Beispiel ihren elektronischen Handel auszubauen, würden sie sich ohnehin nach anderen Anbietern umschauen, meint Frank Schild von der SPD. Für die ersten Experimente mit dem neuen Medium sei aber das LBN unersetzlich. "Gerade das ist auch eine Maßnahme der Standortförderung, die sich langfristig auszahlen wird." (bik)

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