Kunden zu Fans machen

Der Graphikdesigner Michael Pöhlmann entwirft Konzepte für Unternehmen

(veröffentlicht im Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung, 6.8.2000)


Langen. Ein Reihenendhaus in Langen ist nicht gerade das, was sich der Laie unter einem Hort der Kreativität vorstellt. Und doch entstehen unter dem Dach von Michael Pöhlmanns Haus Ideen für Messestände, Kundenclubs und Werbeaktionen. Der Graphikdesigner ist in Bremerhaven groß geworden, und nach Jahren in Berlin und Hamburg ist er vor vier Jahren wieder zurückgekommen.

"Nur ein schönes Bild in die Zeitung setzen ist zu wenig", weiß der 36-Jährige. Er entwickelt daher ganze Konzepte, wie Kunden angesprochen werden können und wie sie gehalten werden. Sein Ziel: "Unternehmen brauchen heute richtige Fans ihrer Produkte." Kundenclubs, Treuekarten, Zeitschriften und Events sollen daher das "Wir-Gefühl" stärken. Und auch die Mitarbeiter des Unternehmens sollen Fans werden durch entsprechende interne Publikationen.

Erstes Projekt Ikea Familiy-Card

Erfahrungen hat der Designer reichlich gesammelt in diesem Bereich: Drei Semester Studium der visuellen Kommunikation in Berlin, dann Wechsel zur privaten Kunstschule Alsterdamm in Hamburg. Gleichzeitig hat er bei der renommierten Agentur BBDO bzw. deren Tochter Teamdirekt angefangen. "Dadurch konnte ich die Theorie der Schule sofort in die Praxis umsetzen, und gleichzeitig die hohen Schulkosten bezahlen."

Nach dem Diplom arbeitete Pöhlmann dort weiter als Junior Art Direktor. Eines seiner ersten Projekte: die Weiterentwicklung der Ikea Family-Card, eine Kundenkarte mit Bezahlfunktion und Sonderangeboten für Clubmitglieder.

Netzwerk von Kreativen

Aber der direkte Kontakt mit dem Kunden hat ihm gefehlt. 1992 machte er sich selbstständig und zog 1996 nach Langen: "Meine Arbeit findet überwiegend im Kopf statt, und wo ich dabei sitze, ist ziemlich egal." Die bundesweiten Kontakte zu Kunden und anderen Kreativen hat er mitgenommen. Dadurch steht ihm ein ganzes Netzwerk von Textern, Fotografen und Designern zur Verfügung, auf die er zurückgreifen kann.

Kommunikation ist für Michael Pöhlmann das Wichtigste: der Dialog zwischen Designer und Auftraggeber, zwischen Unternehmen und Kunde und im Unternehmen selbst. Und weil die interne Atmosphäre auch nach außen wirkt, arbeitet er mit Unternehmensberatern zusammen an dem Auftritt und dem Arbeitsklima in Firmen. "Eine Nische", wie der Designer stolz sagt.

Ganzheitliches Konzept

Aber nicht nur große Kunden wie Dr. Oetker oder VW Emden klopfen an Pöhlmanns Tür. Auch kleinere Unternehmen aus Bremerhaven und Umgebung sind seine Kunden. "In dieser Stadt steckt ein phantastisches Potenzial, aber es ist verwunderlich, wie wenig manche Firmen daraus machen." Anzeigen im Visitenkartenformat kosteten nur Geld und brächten nichts, ist er überzeugt.

Skepsis schlägt ihm anfangs oft entgegen, wenn er sein ganzheitliches Konzept einem Interessenten vorstellt. Denn mit einer reinen Anzeige ist es oft nicht getan: Visitenkarten, ein neuer Name, ein verändertes Innendesign oder Kinospots können für den vollen Erfolg nötig sein. "Wer sich aber erst einmal vertrauensvoll in meine Hände begeben hat, ist voll zufrieden", versichert Michael Pöhlmann. (bik)

 

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