Günstiges Breitband in der Kritik

Gutachten fordert Umstrukturierung

(veröffentlicht im Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung, 25.6.2000)


Bremerhaven. Das Landesbreitbandnetz (LBN) in seinem bisherigen Umfang soll eingestellt werden. Das empfiehlt jedenfalls ein Gutachten, das morgen in Bremen vorgestellt wird. Ende diesen Jahres läuft die bisherige Finanzierung aus. Das Gutachten sollte die weitere Wirtschaftlichkeit prüfen.

Das LBN ist eine hochleistungsfähige Telekommunikationsplattform, die als Standleitung für jeden frei zugänglich ist. Es wurde 1996 auf Beschluss der Wirtschaftsförderungsausschüsse ins Leben gerufen. Wirtschaft und Wissenschaft im Land Bremen sollten dadurch eine kostengünstige Vernetzung ermöglicht werden.

"Kleinere Unternehmen würden abgeschreckt"

Bislang wurde es vom Wirtschaftssenat als Wirtschaftsförderungsmaßnahme aus Mitteln des Investitionssonderprogramms gefördert. Dies rentiere sich nicht, sagt das Gutachten, und empfiehlt eine Umstrukturierung. Das Netz solle auf den wissenschaftlichen Einsatz reduziert werden. Wirtschaftsprojekte, die dann zusätzliche Telekommunikationskosten haben, könnten bezuschusst werden.

Bremen Briteline (BBL), die landeseigene Gesellschaft, die das LBN betreut, wehrt sich gegen den Vorschlag der Gutachter: Zurzeit sind bereits 180 Unternehmen an das LBN angeschlossen. Briteline-Geschäftsführer Wolfgang Schmidt gibt zu bedenken, dass vor allem kleinere und mittlere Firmen abgeschreckt würden, die neuen Medien zu nutzen, wenn sie auf die allgemeinen Telekommunikationswege mit ihren im Vergleich hohen Kosten ausweichen müssten.

"Teilung statt Verzahnung"

Zum Vergleich: 1,3 Millionen Mark im Jahr zahlt das Land derzeit für das LBN. Diese Kosten ließen sich ab 2001 auf 700 000 Mark reduzieren, schätzen die Experten von BBL. Damit wären alle angeschlossenen Unternehmen und Institutionen versorgt. Ein entsprechend leistungsfähiger Anschluss über die Telekom würde ein einzelnes Unternehmen bereits mehr als 100 000 Mark im Jahr kosten.

Das Gutachten argumentiert weiterhin, dass das LBN dem Preiswettbewerb auf dem regionalen Telekommunikationsmarkt blockiere. Briteline kontert, dass der Markt im Land Bremen für einen wirklichen Wettbewerb in diesem Bereich zu klein sei.

"Parzellierung statt Verzahnung"

Im übrigen, so Schmidt, laufe eine Auskoppelung der wirtschaftlichen Nutzung aus dem LBN quer zur gesellschaftlichen Entwicklung: "Überall wird eine stärkere Verzahnung zwischen Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft gefordert, und hier wird wieder parzelliert." (bik)

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