Telegrafiker an der Heine-Schule

Planspiel verbindet Arbeitswelt und Computereinsatz

(veröffentlicht im Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung, 25.6.2000)


Bremerhaven. 21 „Heinis“ pro Stunde verdient ein Facharbeiter beim virtuellen Unternehmen Heine-Grafik. Das Produkt: Prospekte für Handys und Visitenkarten. Der Arbeitsplatz: die Heinrich-Heine-Gesamtschule in Leherheide. Das Unternehmen: ein Planspiel der besonderen Art.

16 Schüler der neunten Klasse wurden im vergangenen November gefragt, ob sie für eine Firma im graphischen Gewerbe Aufträge übernehmen möchten. Sie würden angelernt und je nach Qualifikation in Produktion und Versand eingesetzt werden.

Nur ein Spiel

Bewerbungen wurden geschrieben, Vorstellungsgespräche geführt, die Betriebsleitung stellte sich vor. Was die Schüler noch nicht wussten: Das Ganze war nur ein Spiel, das ihr Lehrer Hans Ulrich D’ham zusammen mit Lehramtsstudenten und Professoren der Universität Bremen geplant hatten.

"Uni@Schule" heißt der Wettbewerb, den die Initiative „Schulen ans Netz“ im vergangenen Jahr gestartet hat. Ziel ist es, in Schulen und Hochschulen Unterrichtsprojekte zu entwickeln, die die neuen Medien praxisnahe anwenden.

Konkurrenz schläft nicht

Ein Beispiel dafür ist das Produktionsspiel der Heinrich-Heine-Schule. Von der Computerschulung bis hin zur Betriebsratswahl simulierte es die reale Situation im Graphikgewerbe. Die 16 Schüler entwarfen Prospekte und Visitenkarten, setzten Graphiken und Texte am Computer zusammen, machten die fertigen Produkte versandfertig.

Doch wie im echten Leben schlief die Konkurrenz nicht, die Produktion musste effektiver werden, sonst drohte der Konkurs. Heine-Grafik fusionierte mit der Hermannsburg-Production, einer "Parallelfirma" an der Bremer Stadtteilschule Hermannsburg.

Durcharbeiten war anstrengend

"Als Spielleiter mussten wir Konflikte organisieren", erklärt D’ham. Und damit wurden die Schüler konfrontiert: Bremerhaven wurde Satellitenbüro, Aufträge gab es nur noch via Email von der Geschäftsleitung, und die alten Arbeitsverträge wurden gelöst. Die unrentable Visitenkartenproduktion wurde als Teleheimarbeit ausgelagert, was freiere Zeiteinteilung, aber auch fehlende soziale Absicherung bedeutet. Jeder Projektarbeiter war für ein Produkt von Anfang bis Ende verantwortlich, einige Bereiche wie der postalische Versand fielen ganz weg.

Qualität, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit wurden groß geschrieben – für die Schüler eine Umstellung: "Von 8 bis 16 Uhr durcharbeiten, das war anstrengend", erinnert sich Ludwig Lauenburger. Aber auch lehrreich: Der Teamgeist, das eigenverantwortliche Arbeiten am Computer, die Vorbereitung auf das spätere Berufsleben hat ihnen gut gefallen.

Verknüpfung von Arbeits- und Schulwelt

Aber auch die Studenten und Lehrer haben gelernt, wie Computer sinnvoll in den Unterricht eingebunden und Arbeits- und Schulwelt verknüpft werden können. Im September findet die Endausscheidung des Wettbewerbs "Uni@Schule" statt. Unter den bundesweit mehr als 70 Projekten rechnen sich die Heine-Schüler gute Chancen aus.

Und das Projekt soll mit anderen Schulen in Bremerhaven und Bremen wiederholt werden. "Räume spielen bei der Telearbeit ja keine Rolle", weiß Hans Ulrich D’ham. (bik)

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