"Wecker-Wader-Revival" mit Festival-Atmosphäre

Liedermacher-Könige traten beim Cuxhavener Sommerfest erstmals gemeinsam auf

(veröffentlicht im Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung, 9.7.2000)


Cuxhaven. Zwei der bekanntesten deutschen Liedermacher endlich zum ersten Mal gemeinsam auf einer Bühne: Das mögen viele der mehr als 800 Besucher gedacht haben, die am vergangenen Wochenende zum Konzert Konstantin Weckers und Hannes Waders nach Cuxhaven kamen. Ein furioser Auftakt einer Tournee durch sechs Orte - und die einzige norddeutsche Station.

Das Publikum: Die meisten mit den Liedern von Konstantin Wecker und Hannes Wader aufgewachsen, heute noch ab und zu nostalgisch schwärmend. Der Ort: Ein Zirkuszelt im Cuxhavener Schlossgarten, auf langen Bänken rückt man enger zusammen, Kinder werden auf den Schoß gehoben, ein wenig Festival-Atmosphäre. Die Liedermacher: Beide ausgesprochen gut aufgelegt, beide zunächst mit Gitarre und gemeinsam Waders „Gut wieder hier zu sein“ singend, später auf Klavier und Gitarre alte und neue Polit-Songs und Liebeslieder begleitend.

Wader-Lieder "verweckert"

Zum "Wecker-Wader-Revival" begrüßte Konstantin Wecker das Publikum, und Hannes Wader gestand schmunzelnd, dass er erst jetzt wage, mit Wecker auf Tournee zu gehen: "Jetzt ist er auch schon Familienvater, da wird er mir nicht mehr meine Groupies wegschnappen."

Manche Wader-Lieder "verweckerte" Konstantin am Klavier, in einige Wecker-Songs fiel Wader ein, wie "Sage nein", mit dem beide gegen die immer noch drohende Gefahr von Rechts ansangen. Bei Waders "Kokain" mischte sich Wecker immer wieder verschmitzt ein - ist er doch nach eigenem Bekunden drogenfrei. Und als Hannes Wader "Dat du meen leevsten büst" anstimmte, sangen alle mit.

Verschiedene Charaktere

Einige alte Klassiker durften natürlich nicht fehlen. So brachte sie Waders "Heute hier, morgen dort" genauso wie "Dem Morgenrot entgegen" oder Weckers "Genug ist nie genug". Zwar fehlten sowohl "Willi" als auch der "Tankerkönig" im Programm. Dafür brachten Wecker und Wader eine supermoderne Fassung des "Fachmann": mit Kinderkeyboard, Hiphop-Rhythmen und einer "ausgefeilten" Choreographie eines etwas steifen Waders.

Überhaupt die Charaktere: Selten sah man so deutlich, wie unterschiedlich die beiden Singer-Songwriter sind. Während Wecker meist fröhlich und herzhaft bayerisch auftrat, überwog bei Wader das Ernsthafte, Balladenhafte, Norddeutsche.

Jeder hat seine Fans

Trotzdem hatten beide offensichtlich ihren Spaß miteinander, und jeder hatte seine spezielle Fans. Am Ende bedachte sie das gesamte Publikum mit fast andächtigen standing Ovations, und viele fragten sich, warum es so lange gedauert hat, bevor diese beiden alten Recken zusammen auftraten. (bik)

 

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