Peņas und Frieden im Paradies

Nach fünf Jahren schließt das Kulturcafé Val Paraíso in Bremen / Ein Nachruf

(veröffentlicht in der taz Bremen, 24.1.1997)


Bremen. "Als ich heute das Schild schrieb: ,Ab Montag geschlossen', war das wie eine Grabschrift!" Der vollbärtige Redner mit dem angespannten Gesicht ist Ulli Simon, Besitzer vom Val Paraíso. Nach fünf Jahren schließt das lateinamerikanische Kulturcafé neben dem Eisstadion am Jakobsberg am Sonnabend mit einem letzten großen Fest. "Wir haben mit einer Peņa angefangen, und so werden wir auch aufhören."

In Zukunft also keine Peņas, Musiksessions mehr, keine sehnsüchtigen Tangos in dem niedrigen, dämmerigen Saal, keine heißen Salsa-Rhythmen neben der Eisbahn. Plakate zeugen von vergangenen Konzerten, Fotos zeigen die Hafenstadt in Chile, die dem Café seinen Namen gab.

Ein Dach für alle Latinos

Der deutschstämmige Chilene Ulli Simon, der 1973 als einer der ersten vor der Pinochet-Regierung nach Bremen floh, hatte sich vor fünf Jahren viel vorgenommen: "Ich wollte ein Dach für alle Latinos in Bremen und eine Kulturstätte für die Bremer schaffen." Kultur hat Simon reichlich nach Bremen gebracht: Berühmte Musiker aus Lateinamerika kamen zu ihm, aber auch Leute wie der Nicaraguenser Bischof Ernesto Cardenal. Und jetzt trotzdem das Aus?

Vordergründig ist der Abriß des angrenzenden Hastedter Eisstadions der Anlaß. Doch auch sonst hätte Ulli Simon nicht mehr lange durchgehalten: "Ich habe sehr viel ins Café investiert." Nicht nur geistig, sondern auch finanziell: Oft gingen die Einnahmen bei einem Konzert vollständig an die geladenen MusikerInnen. "Seit fünf Jahren habe ich nichts verdient", gibt der Mittvierziger zu. "Als ich anfangs Unterstützung für das Projekt suchte, fanden alle die Idee toll, aber Geld gab mir keiner!"

Stadt profitiert ohne Zuschüsse

So blieb es auch weiterhin: Die Stadt profitierte seiner Meinung nach von der Kulturarbeit, die im Val Paraíso geleistet wurde, gab aber keine Zuschüsse - das frustriert. Trotzdem gibt der Chilene sich selbst die Hauptschuld. In Zukunft will Ulli Simon sich mehr um seine Familie kümmern als "um die Gesellschaft und den Weltfrieden". Ganz lassen kann er das mit der Kultur denn aber doch nicht. Sein buchstäbliches Fernziel: Der Aufbau eines Konservatoriums in seiner Heimatstadt Val Paraíso - mit dem Bremer Café als Vorbild. (bik)

 

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