"Unpraktisch, wenn Eltern mit müssen"

Modellprojekt "Führerschein ab 17" : Gemischte Gefühle bei Jugendlichen, Polizei und Fahrlehrern

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 10.01.2002)


Verden. Wenn sie könnten, wie sie wollten, wären sie sofort dabei: Viele Jugendliche horchten gestern auf, als sie vom "Führerschein ab 17" hörten. Nach einem Modellprojekt, das auch in Niedersachsen geplant ist, sollen bereits 16-Jährige Fahrunterricht nehmen und ab ihrem 17. Geburtstag selbst am Steuer sitzen können - vorausgesetzt, eine Begleitperson, die bereits seit mehreren Jahren den Führerschein hat, sitzt daneben.

"In Amerika ist das ja bereits üblich", weiß Carolin Clausen (16) vom Gymnasium am Wall. Sie hat ohnehin bereits Erfahrungen im Straßenverkehr mit einem Motorrad, und einen PKW-Führerschein würde sie auch so bald wie möglich machen.

Zu hohe Auflagen

Allerdings bemängelt sie, wie viele ihrer Altersgenossen, die hohen Auflagen, die in Deutschland damit verbunden sein sollen: Keine Nachtfahrten am Wochenende, 130 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit und vor allem immer einen Erwachsenen neben sich, der aufpasst. "Das ist unpraktisch, wenn meine Eltern doch immer mit müssen, wenn ich abends in die Diskothek will", meint Birte Jagels. Andererseits gibt sie zu, dass viele sicherlich vernünftiger fahren würden, wenn Mama oder Papa daneben sitzen und aufpassen.

Ole Buchholz (16) würde den frühen Führerschein auch sofort machen: "Weil ich dann nicht mehr auf die Busse angewiesen bin." Der 16-Jährige erwartet auch mehr Sicherheit im Straßenverkehr: "Ich wäre nicht so aufgeschmissen, wenn jemand beratend neben mir sitzen würde."

"Gute Regelung"

Erschreckend fand Antje Heitmann (16), dass nach einer schwedischen Studie mit jungen Fahranfängern am Steuer die Unfallzahlen bis zu 40 Prozent niedriger waren, wenn eine Begleitperson daneben saß. "Das zeigt doch, wie gut so eine Regelung ist." Sie hätte kein Problem damit, dass ihre Eltern sie begleiten: "Das haben sie bei meiner Schwester damals auch gemacht, als sie ihren Führerschein frisch mit 18 hatte."

Grundsätzlich begrüßt Jürgen Varrelmann, Polizeihauptkommissar und Verkehrssicherheitsexperte bei der Polizei in Verden, das Modell. Allerdings ist er skeptisch: "Wie soll zum Beispiel überwacht werden, ob die Begleitperson wirklich über 25 Jahre alt ist und ob die Höchstgeschwindigkeit eingehalten wird?"

Zoff vorprogrammiert

Außerdem sei mancher 25-Jährige nicht unbedingt geeignet, als Begleitung mäßigend auf den jungen Fahrer einzuwirken. Ähnliche Probleme sieht Fahrlehrer Klaus Kobisch: "Der Beifahrer hat ja keine Möglichkeiten, in das Fahrverhalten einzugreifen." Es hänge viel vom Verantwortungsgefühl der Fahrneulinge und auch der Begleiter ab, ob das geplante Modell erfolgreich sein kann.

Einen großen Boom auf die Fahrschulen erwartet er jedoch nicht: "Viele Eltern haben ja Sparverträge abgeschlossen für den Führerschein, die erst mit 18 Jahren frei werden." Zoff sei da sicherlich bei manchen Familien vorprogrammiert, wenn die Kinder die Fahrprüfung machen dürften, aber aus finanziellen Gründen noch nicht könnten. (bik)

 

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