"Der gute Zweck heiligt viele Mittel"

Schulsponsoring durch die Wirtschaft ist bereits üblich

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 25.02.2002)


Verden. Auf Werbeplakaten lächeln Models von Schulwänden auf Pausenhöfe hinab – diese Zukunftsvision schließen die meisten Leiter der Schulen in Verden auch weiterhin aus. Aber gegen unauffälliges Sponsoring der Wirtschaft hat heute kaum mehr jemand etwas auszusetzen. Gerade in Zeiten knapper kommunaler Haushalte ist die Unterstützung von Betrieben zum Teil bereits gang und gäbe.

Im Berufsschulzentrum in Dauelsen zum Beispiel wäre ein moderner Unterricht ohne entsprechende branchenspezifische Hilfen gar nicht möglich, erklärt Hans-Jürgen Schwartz, der die EDV der BBS betreut. "Bei der Anschaffung neuer Computer-Programme fragen wir uns, was wir brauchen und wer uns das besorgen kann." Manchmal wird dann eine Software kostenlos zur Verfügung gestellt, damit die Auszubildenden daran lernen können. Oder es werden Sonderkonditionen vom Hersteller eingeräumt: Damit kostet ein modernes PC-Beratungsprogramm für Friseure "nur" 15 000 Euro (rund 30 000 Mark).

Kein 'sponsored by'

Günstiger kommen da die anderen Schulen aus: Die Nicolaischule konnte mit ausrangierten Computer einer Firma in Süddeutschland und der Telekom die Grundschüler ans Netz bringen. Ohne Gegenleistungen, wie Leiterin Marlies Hennekes versichert: "Da steht nirgendwo ’sponsored by’ drauf." Einen Einfluss der Wirtschaft auf pädagogische Inhalte würde sie sich verbitten.

Auch die Computer im Domgymnasium konnten durch Sponsoring von Industriefirmen günstig besorgt werden. "Wenn eine Firma neue PC angeschafft hat, dann hat sie zwei für uns mitbestellt", erklärt Dr. Clemens-August Borgerding.

Unschätzbare Hilfe

Eine ganz besondere Kooperation verbindet die Hauptschule Verden mit der EDV-Firma DCS: Nicht nur einige Computer stellte die Firma bereit, sondern sie kümmert sich auch um technische Probleme, wenn die Lehrer nicht mehr weiterkommen. "Das ist eine unschätzbare Hilfe für uns", ist Schulleiter Stefan Hetzer dankbar. Er befürwortet generell eine enge Zusammenarbeit von Schulen und Wirtschaft: "Solange eine Schule sich nicht abhängig macht, sollte sie alle Möglichkeiten ausnutzen."

Ähnlich sieht es Werner Meincke, Leiter der Orientierungsstufe an der Jahnschule, aber: "Sponsoring muss zum Bildungsauftrag und Profil der Schule passen." Er rechnet damit, dass Sponsoring in Zukunft zunehmen wird. Deshalb müssten entsprechende Kriterien im Vorfeld von der Gesamtkonferenz abgestimmt werden. Die OS konnte zusätzliche PC fürs Lehrerzimmer von Firmen und Behörden "abstauben".

Mehr als nur Computer

Jenseits des Sponsoring für reine Computerausstattung geht das Gymnasium am Wall auch andere Kooperationen mit der Wirtschaft ein: Ein Getränkeautomat wirbt für eine braune Limonade – die allerdings aus ernährungswissenschaftlichen Gründen nicht im Automaten steckt, wie Leiter Jürgen Budig betont. Mit einer solch dezenten Werbung hat er kein Problem: "Solange nicht das Erscheinungsbild der Schule davon bestimmt wird, ist das in Ordnung."

Plakate in Maßen können auch etwas Gutes tun, ist sich Lothar Wischke von der Realschule sicher: Dort hängen seit einiger Zeit so genannte "Schoolbards" aus, Wechselrahmen mit Werbung für Markenkleidung und anderes. Organisiert wird das Ganze von der Deutschen Schulmarketing GmbH in Berlin, und als Gegenleistung fließen kleinere Beträge in Klassen- oder Schülervertretungskassen. "Die Schule selbst darf keine Einnahmen haben, aber dieses Geld ist zweckgebunden", erläutert Wischke: Damit können zum Beispiel bedürftige Schüler einen Zuschuss zur Klassenfahrt bekommen. "Der gute Zweck heiligt hier für mich viele Mittel." (bik)

 

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