Gründungskonzept muss tragen

Spezielle Förderung für Frauen / "Kosten realistisch einschätzen"

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 08.03.2002)


Landkreis. Immer mehr Frauen im Landkreis machen sich selbstständig. Doch der Weg dorthin ist lang. Das Amt für Wirtschaftsförderung und die Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft sind hier kompetente Ansprechpartner. Wir haben Amtsleiter Dieter Sander und Ko-Stellen-Leiterin Ulrike Helberg-Manke gefragt, wie aus einer Idee ein Unternehmen wird.

Frage: Was muss eine Frau tun, wenn sie eine Idee für die Selbstständigkeit hat?

Dieter Sander: Aus der Idee muss ein Gründungskonzept werden. Das beinhaltet die inhaltliche Ausgestaltung der Idee, die mögliche Ertragsvorschau und die Kosten, geschäftliche als auch private. Dann ist wichtig, wo die Idee im Markt steht, wie der Wettbewerb aussieht. Es folgen Überlegungen zu Steuern, Gewerbeanmeldung, rechtliche Fragen und die Finanzierung.

Realistische Preise

Ulrike Helberg-Manke: Wenn ich einen Blumenladen habe, dann muss ich überlegen, wie viel Sträuße ich am Tag verkaufen muss, was kostet mich ein Strauß, welchen Preis muss ich also realistisch nehmen, wie viele Blumen verwelken, habe ich einen Standort mit Laufkundschaft, wie nahe ist der nächste Blumenladen und so weiter diese Dinge muss jede Frau erst einmal für sich klären.

Sander: Wir bieten den Existenzgründerinnen eine erste Orientierungsberatung an, die genau diese Schritte aufzeigt, und wir nennen weitere Ansprechpartner für Detailfragen, zum Beispiel Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Berufsverbände.

Frage: Welche persönlichen Voraussetzungen sollte eine Existenzgründerin mitbringen?

Helberg-Manke: Grundsätzlich muss sich jede Frau klarmachen, was es konkret bedeutet, sich selbstständig zu machen. Ist es wirklich das Richtige für mich, auch in der jeweiligen familiären oder sonstigen Situation? Außerdem ist kaufmännisches Grundwissen wichtig. Und ich muss auf Menschen zugehen, für mich werben können.

Beratung von und für Frauen

Frage: Wo kann ich außerhalb der Koordinierungsstelle und des Amtes für Wirtschaftsförderung Hilfen bekommen?

Helberg-Manke: Wirtschaftsberater, Anwälte oder Steuerberater können ebenfalls helfen. Für Frauen im Landkreis bieten sich auch die Gründerinnen-Consult in Hannover und die Existensgründungsagentur für Frauen in Oldenburg an. Hier kriegen sie alles aus einer Hand.

Frage: Welche finanziellen Hilfen gibt es speziell für Frauen?

Helberg-Manke: Es gibt ein Existenzgründungsprogramm für Frauen vom Land Niedersachsen, das Frauen 5000 bis 125000 Euro Investitionskosten zahlt. Die Zinsen sind niedriger als bei marktüblichen Darlehen, und die ersten zwei Jahre sind tilgungsfrei. Voraussetzung neben dem guten Konzept ist jedoch, dass sie noch nicht angefangen haben. Die Förderung beantragen sie über ihre Hausbank. Auf dieses Gespräch sollte man sich sehr gut vorbereiten.

Überbrückungsgelder

Frage: Welche Hilfen kriegen Arbeitslose?

Sander: Das Arbeitsamt zahlt sechs Monate Überbrückungsgelder. Das muss aber im Einzelfall mit dem Arbeitsamt abgeklärt werden. Auch hier verlangt das Amt ein schlüssiges Konzept.

Helberg-Manke: Der Anspruch auf Arbeitslosengeld bleibt jedoch für vier Jahre erhalten. Wenn die Existenzgründung also scheitert, kann wieder Arbeitslosengeld beantragt werden. Das gilt jedoch nicht für Arbeitslosenhilfe-Empfänger.

Frage: Was ist der nächste Schritt?

Helberg-Manke: Spätestens jetzt muss ich dem Finanzamt mitteilen, dass ich mich selbstständig mache. Sobald der Antrag auf Förderung gestellt wurde, kann ich mich gegebenenfalls um Räume kümmern. Und wenn es dann angelaufen ist, beraten wir bei der Existenzsicherung. Auch für diese begleitende Beratung in den ersten zwei, drei Jahren gibt es Zuschüsse. (bik)

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