Der Struwwelpeter ist in Blender zuhause

Horst Wittenburg sammelt fast alles rund um das Kinderbuch / Weltweiter Freundeskreis gegründet

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 13.03.2002)


Blender. Unterm Dach von Horst Wittenburg in Blender struwwelt's, denn bei ihm haben Zappelphilipp, Suppenkaspar & Co. einen Ehrenplatz. Der 59-Jährige sammelt alles von und mit den Figuren, die seit Generationen als abschreckendes Beispiele für unartige Kinder gelten.

Ein ungewöhnliches Hobby für einen erwachsenen Mann, der in seiner Kindheit das Buch des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann gar nicht kannte. Erst vor ein paar Jahren ist er dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kinde: "Ich half Bekannten beim Umzug und fand dabei zwei unterschiedliche Struwwelpeter-Ausgaben. Da begann mich zu interessieren, was es da noch so gibt."

Bücher aus Brasilien

Mittlerweile hat der Elektriker mehr als 200 Bücher in seiner kleinen "Struwwelpeter-Stube" versammelt. Aus dem Jahre 1893 stammt sein ältestes Exemplar, und zu jedem hat er eine kleine Geschichte parat: "Diese zwei Bücher hat mir ein Kollege aus Brasilien mitgebracht, wo er Familie hat. Dort wurde den Kindern mit diesen Geschichten Deutsch beigebracht."

Neben den Struwwelpeter-Versionen in fast allen Sprachen der Welt kommen noch zahlreiche Dialekte: Da steht "Dr Sejerlännr Schdrubbelpeadr" aus dem Siegerland neben "De Ourewälle Struwwelpäire" aus dem Odenwald. Platt schnacken kann der kleine ungezogene Junge schon lange, ebenso "ohwerhässisch" (oberhessisch) oder "boarisch" (bayerisch).

Kartenspiele und Platten

Dazu kommen etliche Figuren in Wittenburgs Sammlung, wie die hölzernen, für die der Mann aus Blender extra in den Urlaub nach Thüringen gefahren ist, oder eine große Marionette, die er günstig auf einem Flohmarkt fand. Kartenspiele, Puppenstuben-Geschirr, Musikplatten und Cassetten, sogar die Partitur zu einem Struwwelpeter-Kinderchor aus der DDR hat er im Laufe der Jahre "erjagt". Und seit Neuestem hat er all seine Schätze digital fotografiert und mit Hilfe eines Computerprogrammes sorgfältig archiviert.

Aber Horst Wittenburg ist nicht besessen vom lustigen Gesellen mit den langen Haaren: "Da gibt es bei uns im Freundeskreis ganz andere", meint er lachend. Der "Freundeskreis Heinrich-Hoffmann-Museum" ist ein Verein, den Wittenburg vor acht Jahren mitgegründet hat. Hier setzen sich sogar gestandene Professoren, aber auch Hausfrauen und Handwerker wie Wittenburg, mit dem Thema streng wissenschaftliche auseinander. Die Mitglieder kommen einmal im Jahr aus Japan, Kanada, Portugal, Deutschland nach Frankfurt am Main, der Geburtsstadt des frechen Burschens.

Vorläufer des Punker

Was ihm persönlich so sehr am Struwwelpeter und seinen Kollegen gefällt? Der 59-Jährige überlegt: "Der ist ja so was wie ein Vorläufer der Punker, der macht, was er will." Als Kind wäre das natürlich schwer durchzusetzen, und als Erwachsener hätte man solche Flausen längst vergessen. Vielleicht ist es ja etwas wie ein persönliches Motto: "Ich mache nur, was ich selbst will." Außerdem, meinen er und seine Partnerin Hannelore Stellmacher: "Irgend eine Macke muss der Mensch ja haben."

Vielleicht lagern ja noch unentdeckte Schätze auf Dachböden im Landkreis? Horst Wittenburg würde sich über Meldungen freuen, ebenso, wenn eine Institution Interesse daran hat, seine Sammlung auszustellen. Er ist erreichbar über seine unten stehende Homepage. (bik)

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