Zu Besuch bei "Richterin Salesch"

2. Girls’ Day im Landkreis erfolgreich / Mädchen schnupperten bei Gericht und Verwaltung in Berufsalltag

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 26.04.2002)


Verden. Auf den Fluren der Kreisverwaltung war gestern Ungewohntes zu sehen: Neben den Angestellten liefen junge Mädchen herum, viele im Schlepptau ihres Vaters oder ihrer Mutter. Ein ähnliches Bild auch im Landgericht und an etlichen Arbeitsstätten überall im Landkreis, denn gestern war zum zweiten Mal Girls’ Day: Bundesweit durften Mädchen der 5. bis 10. Klasse die Schulbank schwänzen und Eltern oder Bekannte zur Arbeit begleiten.

Diese Gelegenheit nutzte auch Marit Belz (15): Mit 35 anderen Mädchen ließ sie sich gestern Morgen von Oberkreisdirektor Werner Jahn erklären, wie die Kreisverwaltung funktioniert. "Man sagt ja immer, die Behörde ist langweilig, da wollte ich mal sehen, ob es stimmt", erklärt Marit ihre Neugier. Aber Langeweile kam wohl nicht auf: Gemeinsam besuchten die Mädchen die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle, das Wasserlabor des Gesundheitsamtes und die Zulassungsstelle.

"Scherben putzen"

Und während Dezernent Claus Schimmelpfennig einigen die Müllumladestation in Langwedel zeigte, schauten andere ihren Eltern über die Schultern oder gingen zur Kreisarchäologin Jutta Precht, um dort "Scherben zu putzen", also Steinzeit-Funde aus Daverden mit Pinsel und Zahnbürste fachmännisch zu reinigen. Gwenda Schobert (13) und Fiona Bendul (13) gefiel dieser ganz andere Schulunterricht sehr gut.

Fast gruselig war der Girls’ Day für sieben Mädchen, die beim Landgericht in die Justiz hineinschnupperten. Denn dazu gehörte auch ein Besuch im Knast: "Die Zellen waren ganz schön eng und das Klo war kaum abgetrennt vom Raum", berichtete Agnetha Lengtat (11). Danach ging es zu einer echten Gerichtsverhandlung – "die war ganz anders als die, die ich aus dem Fernsehen kenne", war Sarah Paech (14) überrascht. "Und dass die Richter vorher so viele Akten lesen müssen, hätte ich nicht gedacht."

Bürokram schreckt ab

Ob eine von ihnen einmal Jura studieren wird, ist ungewiss. Einige könnten es sich aber jetzt, nach einem ersten Einblick, durchaus vorstellen: "Die Arbeit ist sehr interessant und macht bestimmt Spaß", vermutete Inanna Berger (14). Ein wenig schrecke aber der "Bürokram" ab, der damit verbunden sei, gaben die Mädchen offen zu.

Für die sieben Mädchen vom Landgericht war der Girls’ Day jedenfalls ein voller Erfolg: "Klasse, dass man neben dem längeren Schulpraktikum auch kurz in verschiedene Berufe reinschnuppern kann", meinte Lisa Reisig (13), ihre Freundin Sarah ergänzte: "Und eben nicht nur in typische Standardberufe." Milena Hastmann (16), deren Mutter Richterin ist, bemitleidete jedoch die Jungs, die keinen speziellen Berufs-Schnuppertag haben: "So etwas wäre auch für die wichtig!" (bik)

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