Antibiotikum in Tiernahrung?

Masterfoods lässt Chargen testen

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 17.01.2002)


Verden. Verseuchtes Fischmehl ist möglicherweise auch an den Verdener Tiernahrungsproduzenten Masterfoods geliefert worden. In einer Pressemitteilung erklärte die Firma, dass vorsorglich die Auslieferung der eventuell betroffenen Chargen gestoppt wurde. Die Ware werde von einem unabhängigen Labor untersucht. Mit dem Ergebnis sei bis zum Ende der Woche zu rechnen.

Am Montag war bekannt geworden, dass mit Antibiotika verseuchte Shrimps aus Holland in Cuxhaven zu Fischmehl verarbeitet und an verschiedene Tierfutterproduzenten ausgeliefert wurden. Das Kreisveterinäramt hat laut Aussagen von Amtsleiter Dr. Hartmut Rusack keinerlei Informationen über Lieferungen in den Kreis Verden. Der Cuxhavener Betrieb gehört allerdings zu den Futtermehl-Lieferanten von Masterfoods.

Nur wenig Fischmehl verwendet

Bei Routine-Kontrollen seien jedoch keine Rückstände gefunden worden, betonte Masterfoods-Sprecherin Margrit Kolbe-Hopp. Außerdem werde Fischmehl nur in wenigen Produkten eingesetzt. Weder Hundenahrung noch Katzenfeuchtnahrung oder die Premium-Trockenfutter-Marken wie Whiskas seien betroffen.

Das Breitband-Antibiotikum Chloramphenicol (CAP) kann bei Menschen zu Blutveränderungen führen. Allerdings sei CAP auch für Katzen und Hunde gefährlich, erklärte auf Nachfrage Dr. Eckehardt Telser, Toxikologe der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Seien in Katzen- oder Hundefutter Spuren des Antibiotikums, könne das bereits ausreichen, um die Tiere resistent zu machen oder das Knochenmark zu schädigen.

"Lehren aus BSE nicht gezogen"

Der CDU-Landtagsabgeordnete Wilhelm Hogrefe bezeichnete es als einen Skandal, dass die verseuchten Shrimps in Deutschland verarbeitet werden konnten. "Das hätte nach BSE nicht passieren dürfen" so Hogrefe. "Man sollte erwarten, dass die Tiermehlproduktion mittlerweile einer ständigen Kontrolle unterliegt." Auch die verschleppte Information der zuständigen Landwirtschaftskammern durch das Bundesverbraucherministerium sei unverständlich. Die Lehren aus dem Rinderwahn-Skandal seien nicht gezogen worden. Hogrefe will das Thema in der kommenden Woche auf der Plenarsitzung in Hannover ansprechen. (bik)

 

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