Hickhack zwischen Stromlieferanten

EWE gegen DSA: Die Kunden sind die Dummen

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 10.05.2002)


Kirchlinteln. Seit der Liberalisierung des Strommarktes haben viele Kunden ihren Elektrizitätsversorger gewechselt. Einer der kleineren Anbieter ist die Deutsche Strom AG (DSA), die auch im Landkreis einige Kunden werben konnte. Doch dass ein Wechsel manchmal unangenehme Tücken hat, davon können Ulf und Regina Wahlers aus Kirchlinteln ein Lied singen.

Etwa drei Jahre lang waren die Wahlers mit der DSA zufrieden. Doch im vergangenen November begann der Ärger: Die EWE Oldenburg teilte der Familie schriftlich mit, dass die Verträge mit der DSA zum 14. November fristlos gekündigt worden seien. Die Hamburger Firma habe die fällige Gebühr an den Strom-Lieferanten EWE nicht bezahlt. Ab sofort seien die Wahlers wieder Kunden bei der EWE.

Widersprüchliche Aussagen

"Aber gleich danach bekamen wir von der DSA einen Brief, dass die Mitteilung der EWE nicht stimmen würde, und alles bliebe beim Alten", erzählt Ulf Wahlers. Wem sollten sie glauben? Im Zweifel entschieden sie sich für die DSA, die auch weiterhin fleißig die monatlichen Abschläge einzog.

Dann plötzlich die erste Mahnung der EWE: Wahlers hätten die Stromrechnungen an die Oldenburger zahlen müssen. Nach einigen Telefonaten mit der EWE und der DSA leitete Ulf Wahlers die Mahnung weiter nach Hamburg. "Das Geld hatten wir ja bereits an die DSA überwiesen, dann müssen die das regeln." Aber nichts geschah - bis die zweite Mahnung kam, mit der Androhung, den Strom abzustellen. Insgesamt schuldeten die Wahlers der EWE 505 Euro. Bei der EWE äußerte man Unverständnis darüber, dass die Familie Wahlers nach dem 15. November noch bei der DSA geblieben war. Mehr noch, bei der Telefon-Auskunft habe man ihr die Schuld an dem Dilemma gegeben, erzählt Regina Wahlers: "Ich wurde gefragt, warum wir denn überhaupt gewechselt hätten." Eine Ratenzahlung wurde zunächst abgelehnt.

"Kommunikationsprobleme"

Doch auch die DSA benahm sich nicht sehr zuvorkommend, berichtet Ulf Wahlers: "Auf Anfragen wurde nicht zurückgerufen, die eigentliche Hotline ist kostenpflichtig, und eine Endabrechnung haben wir bis heute nicht erhalten." Die Pressesprecherin der DSA, Ina-Vanessa Skorka, gab auf Nachfrage unserer Zeitung "Kommunikationsprobleme" sowie "Unstimmigkeiten mit der EWE" zu. "Deshalb müssen aber natürlich nicht unsere Kunden doppelt zahlen." Weshalb im Fall Wahlers der Ausgleich zwischen DSA und EWE nicht geklappt hat, konnte sie auch nicht erklären.

Der Streit zwischen den beiden Unternehmen wird weitergehen: Während die EWE sich in ihrer Rechtsposition von mehreren Gerichtsurteilen bestätigt fühlt, erklärt die DSA-Pressesprecherin: "Wir sind immer noch in Verhandlungen mit der EWE über den Status unserer Kunden."

Offene Rechnungen bleiben

In der Zwischenzeit hat Ulf Wahlers vorsorglich einen neuen Vertrag mit der EWE abgeschlossen - damit die Familie nicht plötzlich im Dunkeln steht. Ärgerlich bleibe aber, so Regina Wahlers, dass die DSA weiterhin die monatlichen Abschläge abbucht, obwohl sie ihr die Einzugsermächtigung entzogen hat. "Wir holen uns das Geld zwar immer wieder bei der Bank, aber das ist doch keine Lösung!" Und auch die offene Rechnung der EWE bleibt. Wenigstens wäre nach einer Nachfrage unserer Zeitung Ratenzahlung bei der EWE doch möglich. "Immerhin etwas", ist Regina Wahlers erleichtert. Ob Familie Wahlers vielleicht doch noch um die Doppelzahlung herum kommt, bleibt abzuwarten. Die DSA hat versprochen, sich jetzt intensiv um den speziellen Fall zu kümmern. (bik)

Externe Links:

 

Hier geht's zurück zu den Verdener Nachrichten