Drogentest per Schweißtropfen

"Drugwipe" hilft jetzt Verdener Polizei / Anwendung nur bei dringendem Verdacht

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 28.05.2002)


Verden. "Guten Tag, Führerschein und Papiere bitte", so hört sich eine übliche Polizeikontrolle an. Ab sofort könnte es auch vermehrt heißen: "Haben Sie Drogen genommen?" Wer dies mit weit geöffneten Pupillen verneint, hat ausgespielt, denn die Beamten im Landkreis besitzen seit kurzem eine kleine Zauberwaffe: die so genannte "Drugwipe".

Etwa so groß wie ein Fieberthermometer ist dieser "Alcomat" für Drogenkonsumenten, und ähnlich einfach funktioniert er auch: Ein Wisch mit dem Teststreifen über die Stirn, und schon weiß die Polizei, ob der Autofahrer Drogen genommen hat. Verfärbt sich das Gerät nach wenigen Minuten, sind im Körperschweiß Spuren von Drogensubstanzen zu finden.

Wischtest als Anhaltspunkt

Wie beim alkoholisierten Fahrer folgt dann ein Bluttest. "Der Wischtest dient derzeit lediglich als erster Anhaltspunkt für einen vorangegangenen Drogenkonsum", betont Peter Granzow, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Verden. Allerdings ist er zuverlässiger als der reine Augenschein: Während Heroinkonsum schon an den Pupillen zu sehen ist, können Designerdrogen wie Ecstasy auf den ersten Blick nur schwer erkannt werden. Granzow: "Mit dem Wischtest können wir eventuell Unschuldigen den Bluttest ersparen."

Ob Heroin, Haschisch, Kokain oder Amphetamine, pro Wirkstoff gibt es ein Testgerät. Das kann aber nur bei dringenden Anhaltspunkten eingesetzt werden. "Wenn wir in einem Fahrzeug Kokain finden, können wir mit dem Kokaintest schnell feststellen, ob der Fahrer auch konsumiert hat", erklärt Granzow. Eventuelle weitere Drogen werden dann im Bluttest erkannt.

Jahrelange Erfahrung

In anderen Bundesländern wie Berlin, Sachsen und Baden-Württemberg hat die Polizei teilweise bereits jahrelange Erfahrung mit der „Drugwipe“ gemacht. Dass solche Schnelldrogentests auch im Landkreis Verden nötig sind, zeigt die Statistik: Im vergangenen Jahr wurden 49 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit Drogen im Straßenverkehr registriert, davor waren es nur 21 (2000) beziehungsweise elf (1999).)

Der "Drugwipe"-Test soll künftig die Arbeit der Polizei sowohl bei Routinekontrollen als auch bei gezielten Großkontrollen erleichtern. Und obwohl es bei Drogen keine "Promille-Grenze" gibt wie bei Alkohol, sind die Strafen für Drogenkonsumenten am Steuer empfindlich: Bis zu 1500 Euro Geldbuße und drei Monate Führerscheinentzug kostet es, auch wenn kein Unfall verursacht wurde. (bik)

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