Hinnerk und die Schulentlassung

Eine Glosse

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 15.06.2002)


Also, bei diesen ganzen Schulentlassungen fällt einem natürlich auch die eigene Penne ein. Ich weiß noch ganz genau, wie ich damals in der Endphase auf eine Mitschülerin sehr neidisch war. Sie wohnte bei mir in der Nähe und schien tagein-tagaus für das Abitur zu büffeln - jedenfalls war immer, wenn ich zum Beispiel spätnachts am Wochenende aus der Kneipe kam, in ihrem Zimmer noch Licht an. Und als sie dann auch noch ein besseren Abi-Schnitt als ich hatte, wurmte mich das: "Hätte ich mich doch auch mal so hinter die Bücher geklemmt..."

Vor kurzem traf ich sie dann zufällig wieder, und da die Zeit ja Wunden heilt, bin ich längst nicht mehr neidisch. Ich konnte mir aber die Bemerkung nicht verkneifen, dass sie wohl damals unheimlich gepaukt haben muss. Auf ihre erstaunte Frage, wie ich denn darauf käme, erzählte ich ihr von dem brennenden Licht. "Ach so", meinte sie, "nee, was meinst du, wie oft ich noch vor Mitternacht einfach so über den Büchern am Schreibtisch eingepennt bin..." Manchen gibt's der liebe Gott eben im Schlaf. In diesem Sinne... (bik)

 

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