"Bremen will das Beste haben"

Eingemeindung des Speckgürtels um Stadtstaat wird von Kreisverdenern abgelehnt

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 29.06.2002)


Verden. Eine Studie der Universität Bremen hat gestern Gelächter und vehementes Kopfschütteln im Landkreis ausgelöst. Damit der Stadtstaat Bremen überlebensfähig bliebe, müsste der so genannte Speckgürtel eingemeindet werden, heißt es in dem Gutachten. Auch die Bereiche Verden, Langwedel, Achim, Thedinghausen, Oyten, und Ottersberg würden dann zu "Bremen neu" gehören.

Als Andreas Mattfeldt, Bürgermeister des Fleckens Langwedel, von der Studie las, müsste er schmunzeln: "Diese Idee ist absolut illusorisch." Es stimme zwar, dass viele ehemalige Bremer mittlerweile ins Umland gezogen seien und damit der Hansestadt Einnahmequellen entzogen hätten. "Das liegt aber auch daran, dass diese Gemeinden ihre Hausaufgaben gemacht haben und den Bürgern einiges bieten." Bremen hinke da hinterher.

Volksentscheid ohne Chance

Bevor die Ländergrenzen überhaupt verändert werden könnten, müsse ein Volksentscheid durchgeführt werden. Und dem sieht Mattfeldt gelassen entgegen: "Mag ja sein, dass die Bremer uns wollen, aber ob wir die Bremer wollen, ist etwas anderes."

Auch der Verdener Stadtdirektor sieht die Sache locker: "Alle Jahre wieder gibt es solche Überlegungen." Dirk Richter fragt sich allerdings, ob ein Stadtstaat noch zeitgemäß ist. Einem Nordstaat, also einem Zusammenschluss von Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern könnte Richter Positives abgewinnen "Damit sollten wir uns ernsthaft beschäftigen, wenn wir schon die Länder- und Finanzstrukturen neu ordnen wollen."

Bremens Potenzial würde wachsen

"Null Realisierungschancen", bewertet auch Oberkreisdirektor Werner Jahn die Uni-Studie. Eine solche Eingemeindung würde Niedersachsen nie zulassen, ist er sich sicher. Allerdings muss Jahn zugeben: "Die Potenziale Bremens würden dadurch sicherlich wachsen und den Stadtstaat mittelfristig in die Lage bringen zu überleben." Doch das seien reine Gedankenspiele, die nur zur allgemeinen Erheiterung beitrügen.

Viel wichtiger sei eine andere Art des Zusammenschlusses, wie er in der regionalen Arbeitsgemeinschaft bereits praktiziert werde, betont Jahn: "Wir müssen die bestehende Vernetzung verstärken. Dann kommt es gar nicht mehr darauf an, ob man eigenständig ist," Er vermutet, dass die Bevölkerung hier ohnehin schon zusammengewachsen sei: "Wenn ein Verdener nach Bremen fährt, macht es in seinem Kopf nicht an der Ländergrenze klick." (...) (bik)

 

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