Aktivierung statt bloßer Unterstützung

Jugendbüro: Erfolgsbilanz für Fördern und Fordern

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 04.07.2002)


Verden. Die Zahlen sind erschreckend: 400 der etwa 2000 Jugendlichen im Landkreis Verden, die im vergangenen August ihre Schulausbildung beendeten, waren ohne Abschluss. 342 junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren erhielten Sozialhilfe, 398 waren im Dezember 2001 arbeitslos gemeldet. Seit April geht der Kreis mit dem Jugendbüro neue Wege, um diese Jugendlichen aus dem Kreislauf von mangelnder Ausbildung, Sozialhilfe und Arbeitslosigkeit heraus zu holen.

Wer erstmals einen Antrag auf Sozialhilfe stellt, wird nun sofort an Erika Köhler-Elges verwiesen. Die Sozialpädagogin, deren Stelle aus Landesmitteln finanziert wurde, bespricht mit den Jugendlichen, warum sie sich ihren Lebensunterhalt nicht selbst verdienen können, wo die Schwierigkeiten liegen und wie diese aus dem Weg geräumt werden können.

Schock reicht oft

Das kann an der fehlenden Ausbildung liegen, an der schlechten Bewerbungsmappe oder an fehlender Kinderbetreuung. Gemeinsam mit dem jungen Menschen erarbeitet Köhler-Elges dann eine Aufgabenliste, die bis zum nächsten Treffen erledigt werden muss. "Aktivieren" heißt das Zauberwort. Ob der Termin mit dem Arbeitsberater, das Vorstellungsgespräch oder die Anmeldung zum nachzuholenden Hauptschulabschluss - eine Zielvereinbarung hält die Schritte fest.

Wird der Vertrag ohne Begründung gebrochen, gibt es keine Sozialhilfe mehr - ganz im Sinne des Konzeptes "Fördern und Fordern". Völlig einstellen könne man die Hilfe zum Lebensunterhalt zwar nicht, dennoch reiche oft der Schock, dass ein, zwei Monate das Geld fehle, um die Jugendlichen ins Jugendbüro zurückkehren zu lassen.

ABM erst zweite Priorität

Bislang sei diese Idee im Kreis überaus erfolgreich, freut sich Sozialamtsleiter Albert Kinat: "In den ersten drei Monaten sind bereits 58 junge Sozialhilfeempfänger beraten worden. Davon konnten sechs in Ausbildung und vier in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden." Weitere elf sind zunächst einmal in Qualifizierungs- oder Beschäftigungsmaßnahmen untergekommen, das sei allerdings erklärtermaßen erst zweite Priorität des Jugendbüros, so Kinat. Die übrigen Personen stünden dem Arbeitsmarkt derzeit nicht zur Verfügung oder hätten sich nicht an die Zielvereinbarungen gehalten.

"Eine schwierige Klientel" sei das, gibt sich Jörn Patzer keinen Illusionen hin. Der Mitarbeiter des Jugendbüros, zuständig für die Gewährung von Sozialhilfe, kennt seine Pappenheimer: "Die wollen oft keine Ausbildung machen. Die wollen einfach nur Geld und zwar sofort - für die eigene Wohnung, das Auto, das Handy." Ihnen klar zu machen, dass Aushilfsjobs keine langfristige Perspektive hätten, sei nicht leicht.

Andere Landkreise folgen

Dennoch: Die enge Zusammenarbeit mit der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQ), Arbeits- und Jugendamt, das kleine Team und nicht zuletzt "das sanfte Druckmittel" über die Sozialhilfe seien eindeutige Vorteile des Jugendbüros, betont Kinat. Andere Landkreise in Niedersachsen begännen erst jetzt, die Idee umzusetzen, In Verden gebe bereits die erste Erfolgsbilanz des auf zunächst zwei Jahre angelegten Projektes dem Konzept Recht. (bik)

 

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