Verschleierte Männer im Netz

Petra Bode stellt auf ihrer Website nordafrikanische Tuareg vor

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 11.07.2002)


Verden. Viele private Homepages bleiben mehr oder weniger regional, zeigen den heimischen Garten oder die Urlaubsreise nach Kreta, die gesammelten Briefmarken oder irgendein anderes Hobby. Nicht so die Seite von Petra Bode aus Verden. Unter www.tuareginfo.de hat die Verdenerin in akribischer Arbeit viele Details über das Nomadenvolk am Rande der Sahara zusammengetragen.

Seit langer Zeit hat die 33-Jährige ein ganz persönliches Interesse an den "blauen Rittern der Wüste", wie die Tuareg oft romantisierend genannt werden. Aber als sie im Internet nach Informationen über deren Kultur suchte, fand sie kaum etwas Brauchbares. Nachdem sie 1997 einen Internet- Kursus an der Volkshochschule belegt hattte, bastelte sie kurzerhand ihre eigene Seite. "Mein Ziel war es, nicht nur die Kultur der Tuareg, sondern auch ihre heutige schwierige Lebenssituation bewusst zu machen."

E-Shop für guten Zweck

Zwei Jahre später trat der Frankfurter Verein "Tuareg Initiative" auf sie zu, deren 2. Vorsitzende sie mittlerweile ist. Der Verein baut und unterstützt eine Nomadenschule im nördlichen Niger, in der Tuaregkinder unterrichtet werden. Diesem Zweck dient auch der Verkauf von traditionellem Silberschmuck und Kleidung der Tuareg auf Petra Bodes Website: "Der Erlös fließt vollständig in unser Projekt in Erough."

Doch dieser halb kommerzielle Bereich ist nur ein kleiner Teil auf der reichhaltigen Seite. Im Mittelpunkt stehen Fakten zur Kultur und politischen Situation der Tuareg. Die sozialen Schichten, die Stellung der Frau, die Bekleidung, die Musik, das Kunsthandwerk und nicht zuletzt die Frage, warum bei den Tuareg die Männer verschleiert sind, werden von Petra Bode erklärt: "Ich will informieren statt romantisieren."

Einziges deutsches Grundwortschatzlexikon

Ihr Publikum seien völkerkundlich interessierte Schüler, Studenten, Privatleute und sogar Firmen, die etwas mit dem Wüstenvolk zu tun haben. Aber auch Veranstalter und Musikverlage fragen bei der Verdenerin schon mal an: "Ich bin immer wieder überrascht, in welchem Ausmaß das Internet von professionellen Auftraggebern genutzt wird." So konnte sie auch einen Text in einem französisch-englischen Buch veröffentlichen. Besonders stolz ist Petra Bode auf ihr Grundwortschatzlexikon für Tamasheq, die Tuareg-Sprache. "Ich glaube, das ist das einzige in Deutsch überhaupt."

Die Pflege der Seite ist sehr aufwändig: "Manchmal sitze ich mehr als acht Stun- den in der Woche am Computer, um E-Mails zu beantworten, die Bestellungen zu bearbeiten, zu recherchieren und zu übersetzen sowie Bilder zu bearbeiten." Aber es mache ihr großen Spaß - so viel, dass sie aus ihrem Hobby bald mehr machen will: Im nächsten Jahr möchte sie ein Ethnologie-Studium in Hamburg beginnen - und dann auch endlich einmal selbst ins Land der Tuareg fahren. (bik)

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