US-Managern die Angst genommen

Herbert Rode war Europäischer Betriebsratsvorsitzender bei Lear / Jetzt mehr Zeit für seine Oldtimer

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 11.07.2002)


Verden. "Ohne die andere Seite kann man nichts bewegen." Diese Erkenntnis hat Herbert Rode verinnerlicht. Der Wahl-Verdener hat sich zwanzig Jahre lang in der Arbeitnehmervertretung der internationalen Firma Lear Corporation engagiert, zuletzt wiederholt als Vorsitzender des Europäischen Betriebsrates. Jetzt wurde er von seinen Kollegen in Bremen-Mahndorf verabschiedet.

Damit liegt eine bewegte Zeit hinter dem 62-Jährigen: Vom einfachen Betriebsratsmitglied im Bremer Werk des Autozulieferers Keiper Ricaro stieg er auf zum Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der deutschen Lear-Werke. Dabei lernte er, wie wichtig ein "Mitsteuern" auch im Sinne des Betriebes und der Belegschaft ist: "Als Keiper Ricaro plötzlich an die Lear Corporation verkauft wurde, merkte ich, dass ein Betriebsrat in globalen Zeiten weiter denken muss."

Lear in Europa vertreten

Das war 1997, und die Zeit war günstig, denn ein Jahr zuvor war die EU-Richtlinie zum Europäischen Betriebsrat (EUBR) nationales Recht geworden. Der US-amerikanische Automobilzulieferer Lear Corporation, mit mehr als 140.000 Mitarbeitern in 33 Ländern weltweit vertreten, davon 40.000 allein in zwölf europäischen Staaten, richtete 1998 seinen Europäischen Betriebsrat ein - mit Herbert Rode an der Spitze des zwölfköpfigen Gremiums. "Die Amerikaner hatten am Anfang mit der Mitbestimmung von Arbeitnehmern nicht viel am Hut." Dem Management die Angst vor dem EUBR zu nehmen, war erstes Ziel von Rode und seinen Kollegen.

Mittlerweile hat aber sogar die obere Leitung begriffen, wie gut eine europäische Arbeitnehmervertretung in einem global agierenden Unternehmen ist: "Früher hatte der Bremer Werksleiter keine Ahnung, was der Quakenbrücker macht, geschweige denn die spanischen oder schwedischen Werke." Dank des EUBR erfuhr Rode manchmal eher als die deutschen Manager von globalen Plänen der amerikanischen Mutterfirma. "Dadurch konnte ich besser auf gleicher Augenhöhe mit denen verhandeln."

Standortinteressen überwinden

Die zweite, nicht weniger wichtige Aufgabe des EUBR: Den Belegschaften an den vielen Standorten die gemeinsam erarbeiteten Ziele zu vermitteln. "Das ist oft nicht leicht, denn die deutschen Kollegen interessieren sich nicht dafür, wie es den spanischen Kollegen in der Kabelbaum-Sektion geht, und umgekehrt." Selbst innerhalb des Gremiums müssten oft erst egoistische Standortinteressen und länderspezifische Eigenarten ausgeräumt werden.

Doch trotz aller Probleme habe der EUBR bei Lear viel erreicht, sagt Rode stolz. Die sozialen Bedingungen und die hohen Standards bei der Arbeitssicherheit würden in allen zwölf EU-Ländern eingehalten, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern habe der EUBR selbst in männerdominierten Ländern wie Portugal durchgesetzt. Eine große Hilfe sei auch die deutsche IG Metall gewesen, die die Idee eines EUBR immer unterstützt habe, so Rode.

Oldtimer statt Weltbetriebsrat

Wenn er noch länger dabei wäre, würde sich der muntere Rentier als nächstes auf einen Weltbetriebsrat stürzen: "Bei einem Global Player wie Lear kann man dann erst richtig etwas bewegen." Aber jetzt hat er sein Versprechen wahr gemacht und scheidet mit knapp 63 Jahren aus allen beruflichen Funktionen aus. Seine Frau Karin freut sich darüber: "Jetzt haben wir endlich wieder mehr Zeit für einander."

Und langweilig wirdís bei Rodes ohnehin nie: Ob der Enkel mit dem Opa spielen will, die Oldtimer in der Garage auf den "Schrauber" warten oder der Shanty-Chor Verden auf seinen 2. Vorsitzenden - "eigentlich bräuchte mein Mann drei Leben, um alles zu schaffen", meint Karin Rode lachend. (bik)

 

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