Storchenstation: Fortsetzung geplant

Helmut Storch hört auf, Kreis und Stadt machen weiter

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 11.07.2002)


Verden. Unstimmigkeiten rund um die Storchenstation in Dauelsen: Nach dreißig Jahren hat der ehrenamtliche Leiter Helmut Storch seine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen kurz vor seinem 90. Geburtstag eingestellt. Die plötzliche Schließung hat Stadt und Landkreis überrascht und verärgert. Sie schmieden seit mehreren Jahren Pläne für seine Nachfolge.

"Das Konzept liegt fertig in der Schublade, aber wir wollten es Herrn Storch überlassen, wann er aufhören möchte", sagt Umweltdezernent Claus Schimmelpfennig. Ein geeignetes Gelände am Sachsenhain nahe der bisherigen Station ist bereits vor zwei Jahren vorbereitet worden. "Mittlerweile haben wir auch mögliche Nachfolger für die Leitung gefunden." Nun ist Schimmelpfennig jedoch sauer auf Storch: "Er tut so, als gebe es keinen Nachfolger und keine Bemühungen seitens des Kreises und der Stadt. Das ist nicht sehr kooperativ."

Störche nach Berne gebracht

In der vergangenen Woche hatte Helmut Storch die letzten Pfleglinge zur Storchenstation nach Berne in der Wesermarsch bringen lassen, nun beseitigt er die Hinweisschilder an seinem Heim, der alten Storchenstation. Seine Frau Gerda wollte gestern die Angelegenheit nicht kommentieren, bestätigt nur, alles habe seine Ordnung, und sie seien froh, dass die Vögel weiterhin artgerecht gepflegt werden.

Dezernent Schimmelpfennig ärgert sich: Durch diese überraschende Aktion sei fälschlicherweise der Eindruck erweckt worden, nun sei es vorbei mit dem allseits beliebten und anerkannten Storchenparadies in Verden. "Dem ist nicht so", versichert er. "Sobald wir die politischen Beschlüsse in Kreis und Stadt haben, kann es am Sachsenhain weitergehen." Dann könnte in der Nähe der "Halsmühlener Überfälle" das Außengelände mit Futtergebäude und Schutzhütte zur besseren Beobachtung und Information entstehen. Zwei Nahrungsteiche sind dort schon im Jahr 2000 ausgehoben worden. Das genaue Konzept soll in der kommenden Woche vorgestellt werden.

Finanzierung noch nicht geklärt

Die Finanzierung stehe noch nicht fest, sagt Schimmelpfennig. Der Landkreis könnte mit etwa 20.000 Euro in die Bresche springen, um die Station einzurichten. Die gleiche Summe hatte zuvor die Stiftung der Kreissparkasse für die Aufbereitung des Geländes gespendet. Die Stadt Verden möchte der Umweltdezernent gern für die Betriebskosten einspannen.

Eine Hürde gilt es davor allerdings noch zu überwinden: Das Niedersächsische Landesamt für Ökologie (NLÖ) muss zunächst eine Pflegegenehmigung erteilen. Darauf warten Petra und Klaus Müller bereits sehnsüchtig. Sie haben dem Ehepaar Storch seit vielen Jahren immer wieder bei der Arbeit mit den Tieren geholfen. Jetzt würden sie gern die Station fortführen. Die jungen und kranken Tiere könnten sie bei sich in Dauelsen aufpäppeln, die anderen würden auf dem Gelände am Sachsenhain Touristen und Einheimische erfreuen.

Genehmigung fehlt noch

Doch ohne offizielle Genehmigung sind ihnen die Hände gebunden. "Langsam drängt die Zeit", sorgt sich Petra Müller: "Wenn wir gleich im Frühjahr in die neue Saison starten wollen, muss die Anlage im Herbst fertig sein, bevor die Wiese zu matschig wird für Bauarbeiten." (bik)

 

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