Ein Ausdauersport mit hohem Suchtfaktor

Wochenendbetrieb auf dem Flughafen in Scharnhorst / Intensive Ausbildung schreckt Nachwuchs ab

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 12.07.2002)


Verden. "Delta Fox erbittet Landeerlaubnis", schnarrt es aus dem Lautsprecher im Tower. Klaus Döring, Flugleiter an diesem Wochenende, nimmt das Mikro in die Hand und antwortet: "Delta Fox, Landeerlaubnis erteilt." Ein ruhiger Sonnabendnachmittag auf dem Flugplatz Verden- Scharnhorst, die Sicht ist leicht diesig, und so sind nur ein paar verwegene Segel- und Motorflieger auf dem Platz.

Die kleine Cessna, die sich gerade gemeldet hat, ist bereits auf der Rasenbahn, rollt aus, kehrt langsam zum "Parkplatz" am Tower zurück. Klaus Döring notiert die genaue Landezeit und trägt sie in das Flugbuch ein. Eine Radaranlage hat Scharnhorst nicht, nur ein Funkgerät. "Dies ist ein öffentlicher Landeplatz, aber wir greifen nicht in den Verkehr ein, wir geben nur Informationen, ob man hier tanken kann, oder warnen, wenn ein Segelflieger gerade in der Nähe ist." Außerdem regelt Döring die Ampel an der Straße, die am unteren Ende der Landebahn entlang führt - "wenn ein Flieger etwas flach runterkommt und da tuckert gerade ein Heuwagen lang, dann war es das mit der Heuernte", flachst Klaus Schiffler, der Döring Gesellschaft leistet.

Alarm nach Langstreckenflug

Mit dem großen Flughafen in Bremen haben sie kaum etwas zu tun - außer wenn ein Flieger aus dem Ausland oder von Helgoland seine angegebene Landezeit nicht einhält. "Dann wäre hier richtig Alarm", erzählt Klaus Schiffler: "Jeder Langstrecken- oder Helgolandflieger muss bei der Flugsicherung in Bremen seine ungefähre Landezeit angeben und diese bestätigen, sobald er am Boden ist. Überschreitet er die Zeit um eine halbe Stunde, wird sofort eine Suchaktion gestartet, mit Hubschrauber, Seenotretter und so weiter. Das geht richtig ins Geld." Gottseidank passiere das nicht allzu häufig.

Vier Motorflieger gehören zum Luftfahrtverein Verden-Scharnhorst, ein Motorsegler und fünf Segelflugzeuge, die mit der Winde über die 600 Meter lange Bahn hochgezogen werden. Gerade schieben ein paar Jungen einen Segler am hinteren Ende auf die Piste. Unter ihnen der Lette Edgars Koks, der mit einem Jugendaustausch in Achim ist. Der Lehrer Reinhard Betz hat ihn und einen Teil der Austauschgruppe mit nach Scharnhorst genommen. Doch die meisten Letten bevorzugen den Motorflieger, mit dem Betz immer wieder Ehrenrunden über Achim dreht - und hinterher sind sie sich einig: Das sei etwas ganz anderes als in den großen Fliegern.

Segelfliegen ist ein Teamsport

50 bis 60 Starts pro Wochenende insgesamt muss der ehrenamtliche Flugleiter überwachen. "An guten Tagen, wenn die ganzen Schüler trainieren, kommen noch mal 20 dazu", weiß Klaus Döring. Er ist seit 13 Jahren Pilot und vom Segelfliegen zum Motorsegeln umgestiegen. "Segelfliegen ist Teamsport, da schuftet man den ganzen Tag und fliegt selbst nur ein paar Mal", erzählt Klaus Schiffler. Er hat sich vor vier Jahren seinen Jugendtraum vom Fliegen erfüllt. "Bin also erst kurz dabei, dafür aber umso heftiger." Und er rechnet vor, dass sein Hobby gar nicht so teuer ist wie oft gedacht. "Wenn man Golf intensiv betreibt, ist das teurer."

Dennoch: Der Nachwuchs fehlt, auch beim Luftfahrtverein Verden. Vor allem die Ausbildung schrecke ab, meint Schiffler. 130 bis 150 Starts muss der Flugschüler üben, bevor er ohne Lehrer rund um den Platz fliegen darf. Dazu kommen theoretischer Teil und Flugfunkzeugnis, die es in sich haben. "Fliegen ist eine Ausdauersportart", meint Schiffler daher auch. Aber: "Es macht süchtig." Und wie zur Bestätigung bittet die Cessna gerade wieder um Starterlaubnis - die Sonne ist jetzt endlich zu sehen, und der Pilot will noch einmal die Freiheit so knapp unter den Wolken genießen. (bik)

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