Intensivpflege für kleine Weißstörche

Stadt und Kreis stellen Konzept der neuen Station vor / Schimmelpfennig: Standortfrage ist entschieden

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 19.07.2002)


Verden. Wenn es nach Umweltdezernent Claus Schimmelpfennig ginge, dann könnte es bereits nach der Sommerpause in die heiße Phase für die neue Storchenstation am Sachsenhain gehen. Um im Notfall schnellstmöglichst Ersatz für die alte Station von Helmut Storch zu schaffen, hatte man schon seit längerem Pläne für eine Fortsetzung entwickelt. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der Politik und eine gesicherte Finanzierung.

Das genaue Konzept stellten gestern Schimmelpfennig, die stellvertretende Stadtdirektorin Ute Scholz sowie der Leiter des Kreisnaturschutzamtes, Hermann Strüßmann, vor. Danach soll entlang des Wanderweges am Sachsenhain ein Freigehege für Weißstörche entstehen. Auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern können sich hier verletzte Schreitvögel erholen.

Kompetente Nachfolger gefunden

Zwei offene Unterstände schützen vor dem ärgsten Wetter, und die Tiere, die in Verden überwintern müssen, können in der Holzhütte am Kopfende des Geländes Zuflucht suchen: Hier entstehen auf 36 Quadratmetern ein fester Schutzbereich, ein Futterraum und ein Besucherraum. Touristen und Einheimische sollen sich dort über Meister Adebar und seinen Lebensraum informieren können. Denkbar seien auch geführte Wanderungen zusammen mit den Naturschutzverbänden, so Schimmelpfennig.

Nestlinge und schwer verletzte Tiere kommen auf eine gesonderte beheizbare Intensivpflegestation auf dem Grundstück der Familie Petra und Klaus Müller, den künftigen Storcheneitern. Damit seien "kompetente Nachfolger" für das Ehepaar Storch gefunden worden, so Strüßmann.

Standortfrage längst geklärt

Über den Standort der künftigen Station brauche nicht mehr verhandelt zu werden, kommentierte Schimmelpfennig Spekulationen aus Reihen der CDU. "Diese Frage ist längst entschieden. Näher ans Klärwerk heran wäre Unsinn, denn wenn die von der Stadt geplante Umgehungsstraße kommt, läge die Station direkt neben der Bundesstraße. Das ist für die Tiere zu gefährlich und auch für Touristen nicht sehr attraktiv." Das Konzept für die Halsewiesen dagegen sei mit dem Niedersächsischen Landesamt für Ökologie abgestimmt.

Für die Baukosten in Höhe von schätzungsweise 75 000 Büro und die Betriebskosten suchen Landkreis und Stadt Verden derzeit noch Ko-Finanziers wie die Stiftung der Kreissparkasse. Zuschüsse von der Bezirksregierung oder dem Land werde es allerdings nicht geben, machte Schimmelpfennig deutlich. Bislang habe es immer so genanntes Futtergeld gegeben, für das laufende Jahr zum Beispiel einen Zuschuss von 6135 Euro. "Sowohl Lüneburg als auch Hannover haben aber signalisiert, dass sie froh sind, wenn die Station von privater in kommunale Hand übergeht und sie nichts mehr zahlen müssen." Die fehlende Genehmigung der Bezirksregierung für die Storchenstation ist nach Schimmelpfennig allerdings nur noch eine Formalität.

Stabilisator für Einwohnerzahl?

Die Zukunft der Storchenstation in Verden sei nicht nur aus Naturschutz- und Tourismus-Gründen zu befürworten, scherzte Schimmelpfennig am Rande der Vorstellung: "Wenn die Stadt seine Einwohnerzahl auf 30 000 stabilisieren will, könnten die Adebare nützlich sein."

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