Fachvermittlung mit Pferdeverstand

Wer Job in Reitbranche sucht, wird in Verden beraten

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 23.07.2002)


Verden. Der richtige Pferdeverstand ist Voraussetzung für den Job von Ulrike Herde, obwohl sie "nur" am Schreibtisch sitzt - im Arbeitsamt in der "Zentralen Fach-Vermittlung iür Berufe des Reit- und Fahrwesens und der Pferdezucht". Und damit ist sie bundesweit zuständig für die Vermittlung von Stellen rund um das Pferd.

In der Reiterstadt laufen die Fäden zusammen. Da ruft schon mal ein Arbeitsberater aus Aschaffenburg an, weil vor ihm jemand sitzt, der einen "Pferdejob" machen möchte. "Diese Kunden sind für die normalen Vermittler so etwas wie karierte Maikäferchen", weiß Herde aus Erfahrung. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Claudia Buchholz, Birgit Meyer-Arendt und Petra Gerke hat sie das nötige Fachwissen für diese seltenen Berufe.

Zuverlässigkeit oberstes Gebot

Ob Pferdepfleger oder Pferdewirt mit den Schwerpunkten Zucht und Haltung, Reiten, Trabrennfahren oder Rennreiten - in Verden kennt man sich aus. Das Team um Ulrike Herde weiß, welche Erfahrungen jemand mitbringen muss und wo gerade eine Stelle frei ist. Wichtigste Voraussetzung selbst für den "einfachen Mister": Sie müssen zuverlässig sein. "Immerhin sind sie für kostbare Pferde zuständig." Wer Pferdewirt Reiten werden möchte, braucht Reitkenntnisse auf A-Niveau oder das Deutsche Reitabzeichen der Klasse III. "Das ist der beliebteste, aber auch der schwerste Beruf", warnt Ulrike Herde: "Viele Auszubildende fallen am Ende durch die praktische Prüfung."

Bis 1999 war in Verden auch die bundesweit Ausbildungsstellenvermittlung angesiedelt. Die wird jetzt von den Arbeitsämtern vor Ort übernommen. Für die Beratung sind aber weiterhin die Verdener zuständig. Denn sie haben neben der Fachkenntnis auch die Kontakte in die Branche: durch jahrelange Zusammenarbeit und durch Besuche auf Auktionen und Messen.

Mehr offene Stellen als Bewerber

Sehr ungewöhnlich ist die Vermittlungsquote: Im ersten Halbjahr diesen Jahres konnten die Verdener 294 Arbeitssuchende vermitteln, im gleichen Zeitraum wurde 600 neue Stellenangebote gemeldet. Elf Bewerber kamen aus dem Ausland, denn auch international sind die Verdener tätig. Im Gegensatz zur allgemeinen Lage auf dem Arbeitsmarkt gibt es also mehr offene Stellen als Bewerber. "Schuld" daran sind die hohen körperlichen Anforderungen und die ständige Mobilität. "Den Pferdewirt Reiten macht man höchstens zehn Jahre lang, dann haben die meisten keine Lust mehr", sagt Herde. Danach satteln viele um und werden als Reitlehrer sesshaft.

Überhaupt seien die Pferdeberufe Jobs für echte Idealisten. Gerade in der dreijährigen Ausbildung zum Pferdewirt zahle man oft noch drauf, weiß die Vermittlerin. Es gebe nur eine tarifliche Empfehlung der Bundesvereinigung der Berufsreiter, an die sich aber viele Ställe nicht hielten. Und von dem mageren Lohn werde Kost und Logis für Lehrling und eventuell noch dessen Pferd abgezogen. Später sei der Verdienst zwar oft überdurchschnittlich, aber eine 45-Stunden-Woche sei das Minimum.

Bessere Vorkenntnisse erhöhen Chance

Dennoch: Ulrike Herde kriegt häufig Anrufe von Kindern und Jugendlichen, die ihr Hobby zum Beruf machen möchten. Und sie rät ihnen nicht grundsätzlich ab: "Wir brauchen diese Idealisten." Zunächst sollten die Schüler jedoch Praktika bei anerkannten Ausbildungsbetrieben machen, "Da können sie schon mal reinschnuppern, ob das wirklich etwas für sie ist." Der Berufsreiterverband bietet außerdem Tests an, bei denen die grundsätzliche Eignung festgestellt wird. Zudem sollten sie die Zeit bis zum 18. Geburtstag nutzen, ihre Reitfähigkeiten zu verbessern: "Je besser die Vorkenntnisse, desto größer die Chancen, einen guten Ausbildungsplatz zu finden." (bik)

 

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