Neue Perspektiven für Kombi-Empfänger

Arbeits- und Sozialamt koordinieren Beratungsangebot

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 07.02.2002)


Verden. Jetzt sollen die so genannten Kombi-Empfänger eine neue Chance bekommen: Wer im Landkreis Verden gleichzeitig Sozial- und Arbeitslosenhilfe bekommt, wird ab sofort besonders gut betreut. In einer Kooperation des Sozialamtes und des Arbeitsamtes sollen Betroffene durch intensive und vor allem gemeinsame Beratung wieder in Lohn und Brot gebracht werden. Gestern wurde das Projekt im Arbeitsamt Verden vorgestellt.

Insgesamt gebe es etwa 180 bis 200 dieser Kombi-Empfänger im Landkreis, schätzt Elke Lindhof vom Sozialamt. Aus dieser Gruppe, die erfahrungsgemäß besonders schwer zu vermitteln sei, habe man jetzt die ersten 20 Personen ausgewählt. In einem Beratungsgespräch, das sie und ihr Arbeitsamt-Kollege Klaus Leiske mit den Betroffenen führt, wird ein maßgeschneiderter Integrationsplan entwickelt.

Konkrete Vereinbarungen

"Wir treffen mit jedem einzelnen Kunden eine konkrete Vereinbarung, was jede Seite zu tun hat", erklärte Leiske das Prinzip. So bekomme der Leistungsempfänger zum Beispiel die Aufgabe, sich bis zum nächsten Treffen um ein Bewerbungstraining im Job-Center zu kümmern. Diese Bemühungen müsse er auch nachweisen.

Im Gegenzug verpflichten sich Arbeits- und Sozialamt, regelmäßig den Arbeitsmarkt nach Angeboten für diese Menschen zu sichten. "Wir leisten aber noch mehr", betont Leiske. "Wenn jemand einen Job zugesagt bekommt, den er nur mit Führerschein annehmen kann, bezahlen wir im Einzelfall auch die Fahrschule." Auch Kosten für eine Computer-Schulung, ein Bewerbungstraining oder Lohnzuschüsse für den Arbeitgeber werden übernommen.

An einem Strang ziehen

Weil eine solche individuelle Betreuung sehr zeitaufwendig ist, kümmern sich Elke Lindhof und Klaus Leiske um einen Kreis von jeweils 20 Personen. Wenn Einzelne einen Job bekommen, rückt der oder die Nächste nach. Auf diese Weise sollen viele die Chance erhalten.

Anstatt wie zuvor parallel und an einander vorbei die selben Menschen zu beraten, ziehen die Arbeits- und Sozialämter jetzt immer mehr an einem Strang. Bundesweit werden derzeit 30 verschiedene Modelle ausprobiert, um speziell das Klientel der gleichzeitigen Sozial- und Arbeitslosenhilfeempfänger in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Auch Berater lernen

Aber nicht nur die Kombi-Empfänger profitieren von dieser Zusammenarbeit, auch die Berater gewinnen neue Einblicke: So hat Klaus Leiske gelernt, nicht mehr nur den Arbeitssuchenden allein zu betrachten, sondern auch sein familiäres Umfeld zu berücksichtigen.

"Wir können keine Wunder erwarten", weiß Sozialamtsberaterin Lindhof. Immerhin sei für langjährig arbeitslose Menschen oft nur schwer eine Perspektive zu entwickeln. Einen ersten Erfolg können die beiden Berater allerdings verbuchen: Eine Frau fand bereits nach dem ersten Gespräch eine für sie passende Weiterbildungsmaßnahme. (bik)

 

Hier geht's zurück zu den Verdener Nachrichten