Das Missverständnis zwischen Hund und Halter

Beim Verein für Hundesport und Erziehung werden vor allem Frauchen und Herrchen trainiert

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 07.08.2002)


Verden. Übermütig toben zwei große Hunde über den Rasenplatz, rennen fast die Menschen um, die dort klönen, nebenan übt eine Frau mit ihrem vierbeinigen Liebling den Hürdenlauf - Alltag beim Verdener Verein für Hundesport und Erziehung. Seit sechs Jahren gibt es diesen Verein, seit vier Jahren treffen sich die Mitglieder regelmäßig auf dem Platz hinter dem Tierheim.

Hier lernen Herrchen, Frauchen und Hund vor allem eines: stressfrei und harmonisch zusammen zu leben. "Wir erziehen weniger das Tier als vielmehr den Hundehalter", erklärt Ester Grotzsch-Jupe, die erste Vorsitzende. Ziel sei nicht der perfekt dressierte Hund, sondern der "alltagstaugliche Familienhund", Und dafür müsse der Halter wissen, worauf es ankommt, denn: "Die Verunsicherung des Menschen überträgt sich direkt auf den Hund." Das Konzept scheint anzukommen: Mittlerweile hat der Verein 160 aktive Mitglieder, die teilweise auch aus dem weiteren Umland kommen.

Erziehung mit Geduld und Liebe

So wie Gisela Hoyer aus Bremen: Seit zweieinhalb Jahren sind Mona und sie dabei. Als sie den Hund aus dem Tierheim holte, war Mona völlig verängstigt, erzählt sie. "Hier hat sie durch die Erfolgserlebnisse Selbstbewusstsein bekommen. Mir gefällt, wie hier mit Geduld und Liebe erzogen wird."

Für jeden Hund gibt es das passende Angebot: Die Welpen lernen spielerisch erstes Sozialverhalten, ab der 20. Woche gehen sie in Unterordnungskurse, wo ihnen einfache Befehle wie "Sitz" und "Platz" beigebracht werden. Dazu kommt das Einüben von Alltagssituationen, wie Spazieren gehen neben Regenschirmen, Bus- und Fahrstuhlfahren, Straßentraining, Laufen am Fahrrad. Ganz neu ist der Kursus "Kind und Hund". Bei den Fortgeschrittenen wird es komplizierter: Hier lernen die Hunde, "links" und "rechts" zu unterscheiden und - wie ferngesteuert - durch ein Labyrinth zu gehen.

Lernen hat nichts mit Alter zu tun

Doris Munzlinger, eine der zehn Trainerinnen, weiß, wie ungewöhnlich diese Übung von außen wirkt: "Mancher hat mich schon angesprochen, ob ich wirklich meine, dass mich mein Hund versteht." Aber ihr Sam beweist mit seinen neun Jahren, dass Lernen nichts mit dem Alter zu tun hat.

Auch für Sport und Spaß ist gesorgt: Bei Flyball und Agility-Training, Hürdenlauf mit und ohne Ball, können sich die Tiere austoben. Und Herrchen und Frauchen schulen auf den regelmäßigen Theorie-Abenden ihren "Hunde-Verstand".

Wissen über Rudelverhalten wichtig

Neben Gesundheitsaspekten sind vor allem Kenntnisse über das Rudelverhalten wichtig, weiß Trainerin Christina Trochelmann: "Zwischen Hund und Mensch kommt es oft zu Missverständnissen, weil der Mensch nicht weiß, wie er richtig mit dem Tier sprechen soll. Die Folge können Dominanzprobleme sein." Sie hat Erfahrungen damit: Als ihre Lisa zu ihr kam, führte sich die Mischlingshündin auf wie der Herr im Haus. Mit viel Geduld brachte die Verdenerin ihr die Rangordnung bei.

Vom kleinen Cairn-Terrier bis zum riesigen Bernhardiner und allerlei kunterbunten Kreuzungen sind so ziemlich alle Rassen auf den sechs Plätzen des Vereins zu sehen. Manchmal kommen auch aggressive Tiere. Das sei aber nicht generell schlimm, versichert die Vorsitzende Grotzsch-Jupe: "Lieber mit Maulkorb als gar kein Kontakt für die Hunde." Nur wenn die Tiere zu sehr in ihrem sozialen Verhalten gestört seien, werde dem Halter zum Intensivtraining beim Hundetherapeuten geraten. (bik)

 

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