Geheimnis der weißen Knöchelchen gelüftet

Kreisarchäologin: Alter der Siedlung in Daverden dank neuer Untersuchungen genauer bestimmt

(veröffentlicht in den Verdener Nachrichten, 13.02.2002)


Verden. Neue Erkenntnisse hat die Kreisarchäologin Jutta Precht über das "Dorf am Goldbach" in Daverden jetzt der Presse vorgestellt: Nachdem in den Jahren 1996 bis 2000 mehr als 10 000 Quadratmetern Erde nach Überresten einer menschlichen Siedlung durchsucht worden sind, brachten nun naturwissenschaftliche Untersuchungen genauere Aufschlüsse über das Alter des Dorfes und das Leben dort.

So sei jetzt klar, dass vor allem zwischen 1000 und 800 vor Christus Menschen in Daverden siedelten, erläuterte die Archäologin. Anhand der so genannten C14-Methode konnte das exakte Alter des Langhauses, das auch als kleine Rekonstruktion in einer Wanderausstellung gezeigt wird, festgestellt werden.

Kohlreste in Abfallgrube

Es fanden sich Kohlereste bei den eingegrabenen Pfosten, die auf das Jahr 1004 vor Christus zu datieren sind. In einer Abfallgrube neben dem Haus waren Kohlestücke aus dem Jahr 826. "Damit haben wir bewiesen, dass dieses Haus etwa 200 Jahre lang stand."

C14 war in einem weiteren Fall nützich: Verschiedene Scherben von Keramiktöpfen stammten aus dieser Hauptsiedlungszeit, anderer jedoch mussten in der Zeit um 500/400 vor Christus hergestellt worden sein. Dieses Datum bestätigte eine bisher nur angenommene spätere Besiedlungsphase.

Schweine- und Schafsknochen

Gelüftet werden konnte auch das Geheimnis der weißen Knöchelchen, die in Feuerstellen gefunden wurden. Die kleinen Bruchteile von Schweine- und Schafsknochen waren so weiß gebrannt, wie es allgemein nur von sehr starken Feuern bekannt war - ein normales Herdfeuer könne dies nicht bewirken, hieß es in der Wissenschaft.

"Wir fragten uns, ob die Tierknochen überhaupt zur Siedlung gehörten, oder ob das Dorf vielleicht doch einmal abgebrannt war." Ein Zufall half den Forschern auf die Sprünge: Sie fanden heraus, dass jedes Feuer, ob Kamin oder Grillfeuer, ausreicht, um Knochen so weiß zu bleichen. Hier irrte die Literatur, und die Kreisarchäologin hatte ein weiteres Mosaikstein im Wissen um die frühzeitliche Siedlung gewonnen.

Holz als der Werkstoff schlechthin

Besonderes Highlight bei den Grabungen sie deshalb eine gut erhaltene Brunnenröhre aus Erlenholz und zwei behauene Eichenstämme. Eine Botanikerin fand heraus, dass die damaligen Menschen neben Erle, Eiche und Birke auch Weide, Buche und Esche benutzten.

"Holz war der Bau- und Werkstoff der Vorzeit", weiß Jutta Precht. Leider sei Holz aber auch ein sehr vergängliches Material. So wisse man anhand der wenigen Holzfunde nur, wie viel man noch nicht wisse. Unklarheit herrscht deshalb weiterhin darüber, wie viele Häuser in der Siedlung gleichzeitig standen.

Stiftung der Kreissparkasse

Finanziert wurden die aufwendigen naturwissenschaftlichen Untersuchungen von der Stiftung der Kreissparkasse. 1998 gab die Stiftung knapp 15 000 Euro, im Jahr 2000 noch einmal 4500 Euro. (bik)

 

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