Zottelpullis und Halstücher

Jugendkultur der 70er bis 90er Jahre im Museumsdorf Cloppenburg

(erschienen im Weser Kurier, 04.05.2004)


Cloppenburg. Wer in den kommenden Wochen das Freilichtmuseum in Cloppenburg besucht, wird unerwartete "alte Bekannte" treffen: Scout-Tornister neben Bravo-Starschnitten, Rubiks Zauberwürfel neben Monchichis, Playmobil-Figuren neben Gameboys. Diese Objekte jugendlicher Begierde aus den 70er, 80er und 90er Jahren gehören zu einer Ausstellung, mit der das Museumsdorf zeitliches Neuland betritt.

"Alte Bekannte - Erinnerung an die Jugend 70/80/90" nennt sich die Sonderausstellung, die noch bis Ende Juli zu sehen ist. Idee und Ausführung stammt von "Experten ihrer Zeit": Drei Studenten der Kulturwissenschaften an der Universität Bremen, die selbst in diesen Jahrzehnten groß geworden sind, haben hier ihr Meisterstück abgeliefert.

Allgegenwärtige Werbung

Dabei schwimmen Axel Brasgalla, Kristina Eschler und Björn Herrmann bewusst auf der Retro-Welle, die sich derzeit durch Fernseh-Shows und Modetrends zeigt. Dennoch verfolgen sie eine andere Herangehensweise, die durchaus auch für Überraschungen sorgt. So zeigen sie keine Schlaghosen in Vitrinen, sondern nehmen sich in so genannten Ausstellungsinseln Themen vor, die für die Jugendzeit charakteristisch sind.

Da geht es um Idole, Spielzeug, Musik und die allgegenwärtige Werbung. Ein Tryptichon aus drei Holztüren, geschmückt mit zahllosen Stickern aus den vergangenen 30 Jahren, regte die Besucher bei der Ausstellungseröffnung prompt zu lebhaften Debatte an: "So etwas durfte ich damals nicht haben, meine Mutter war dagegen", sagt die eine, während der andere erzählt: "Ich musste zur Strafe meine Tür neu streichen."

Dr. Sommer berät

Diskussionsstoff ernsthafterer Natur bieten die Zeitbilder. Auf Wäscheleinen spannen sich Erinnerungen junger Erwachsener an Ereignisse ihrer Kindheit und Jugend, so zur Hochzeit von Prinz Charles und Lady Di oder zum Vietnam-Krieg, Brandts Kniefall in Warschau oder des Atomunfalls in Tschernobyl.

Erheiternd wirken die modischen Schandtaten der Vergangenheit, die auf gesammelten Klassenfotos zur Schau gestellt werden, von der Pilotenbrille bis zu Zottelpulli und Halstüchern: "knutschfleckbedeckende Halskrempe, ganzjährige getragen". Daneben können sich die Besucher in einer "Peep-Show" von Dr. Sommer in allen sexuellen Fragen beraten lassen. Eine moderne Jukebox erfüllt schließlich die musikalischen Oldie-Wünsche.

Setzt auf Emotionen

Eine sehenswerte Erinnerungsreise in die eigene Kindheit oder die des Nachwuchses wird hier im Museumsdorf ermöglicht, das gewöhnlich eher für traditionelle Alltagskultur steht. Direktor Uwe Meiners zeigte sich bei der Eröffnung sichtlich stolz: "Ewig kann man die Leute nicht mit Spinnrädern erreichen, gerade die jungen Menschen wollen neue Ansätze sehen." Da sei diese ungewöhnlich jugendliche Ausstellung, die auf Emotionen setze, ein tolles Projekt, mit dem man viele Zuschauer zu erreichen hoffe.

Die Ausstellung "Alte Bekannte" ist noch bis zum 25.Juli 2004 täglich von 9 bis 18 Uhr in der Münchhausen-Halle/Kassenbereich des Museumsdorfes Cloppenburg zu sehen (Bether Straße 6).

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