Leben an der Absturzkante

Neues Theaterstück von "B.E.S.T."

(erschienen im Weser Kurier, 04.10.2005)


Bremen. Rosarrot und grau in grau, so oder so schaut die Zukunft für viele Jugendliche aus, wenn sie die Schulzeit hinter sich lassen. "Rosarot und Grauingrau"" heißt auch die neue Produktion der Jugendtheatergruppe B.E.S.T., die am heutigen Dienstag um 20 Uhr im Postgebäude am Hauptbahnhof Premiere feiert.

Am Anfang starten die 15 Jugendlichen hoffnungsfroh und optimistisch: Die eine träumt von Weltreisen, der andere spielt Gitarre, eine dritte möchte Sängerin werden. Alle möchten gern viel Geld verdienen und viel Freizeit haben.

Vogelscheuchen und Ikea-Katalog

Doch bald holt sie die Realität ein: Vogelscheuchen, drappiert als Koch, Chirurg, Prostituierte, machen ihnen klar, wie das Berufsleben ausschaut. Und statt der ersehnten Einladung zum Vorstellungsgespräch bringt der Postbote nur den neuen Ikea-Katalog.

Die Flucht in die heile Welt einer eigenen Familie, für einige junge Frauen verlockend, stellt sich am Ende als Horrorvision dar. Auch der Vorschlag eines „Hans Wurst“, doch am besten „auf Hartz IV zu machen“ und fürs Nichtstun Geld zu kassieren, überzeugt nicht.Erfolg versprechender scheint da die Idee einer Jugendlichen, die sich ganz offiziell „die Hände schmutzig macht – auch für Sie.“ Wie im Märchen erhält sie als Lohn Goldregen – und darf ihn hinterher wieder auffegen.

Alltagstrott ermüdet

Auch wer Arbeit findet, scheint nicht glücklich: Der Alltagstrott ermüdet und stumpft ab. Die alten Träume sind weit weg. Und der Narr, der Leben versprüht und irritiert, wird symbolisch ans Kreuz genagelt. Das immer wieder fast verzweifelt fröhlich gesungene „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ wirkt zutiefst sarkastisch angesichts der doch eher grauen Zukunft. Und am Ende stehen die Jugendlichen da mit wenig Hoffnung und einer noch unbekannten Perspektive.

Wie bei allen Produktionen von B.E.S.T haben die jugendlichen Schauspieler zwischen 16 und 20 Jahren auch hier ihre Rollen selbst entwickelt. Mit einiger Selbstironie haben die zwölf Mädchen und vier Jungen ihre eigenen Ängste und Hoffnungen aufs Korn genommen und in fantasievollen Bilder umgesetzt. Das Ergebnis berührt.

„Rosarot und Grauingrau – das charmante Lächeln der Absturzkante“ ist zu sehen vom 4. bis zum 8. Oktober und vom 11. bis zum 15. Oktober, jeweils 20 Uhr, in der 3. Etage des Postgebäudes am Hauptbahnhof. (bik)

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