"Ein Nest zum Ausruhen"

Kunsthallendirektor Wulf herzogenrath lebt mit und für die Kultur

(veröffentlicht im Weser Report, 22.4.2001)


Bremen. Ein riesiges "Monster" bewacht das Haus von Wulf Herzogenrath, ein kleines Türmchen ziert den Bau, an der Tür empfängt eine naive Hundestatue den Besucher: Willkommen im Heim des Kunsthallen-Direktor.

In dem 70-er-Jahre-Haus am Rande der Gartenstadt Vahr wohnt Herzogenrath mit seiner Familie seit sieben Jahren. An Wänden und auf Regalen Bilder,Glasobjekte und Skulpuren von befreundeten Künstlern, zwischen der modernen Kunst zwei gemütliche Sofas aus dem Bremer Biedermeier und ein großer Esstisch. Hier sitzt jeden Sonntag morgen die ganze Familie, oder was davon geblieben ist: Vier der sechs Kinder von Wulf und Stephanie Herzogenrath sind bereits aus dem Haus. "Das Frühstück ist uns heilig, ein fixer Punkt in der Woche muss sein", sagt der 57-jährige Kunsthistoriker.

Ehefrau ist "Innenministerin"

Aus der Familie schöpft er Kraft für seine Arbeit: "Ich brauche die Sicherheit, dass ich ein Nest habe, in das ich hinein- und hinausfliegen kann." Seine 59-jährige Frau, die dieses Nest für ihn bereitet, nennt er zärtlich seine "Innenministerin".

Genauso wichtig ist ihm aber auch die Zusammenarbeit mit dem Team im Museum und dem Verein der Freunde der Kunsthalle. "Ich habe den Job übernommen, weil mich die Möglichkeit reizte, etwas bewegen zu können, beim Aufbruch dabei zu sein." Das bedeutet zwar auch eine Menge Arbeit - Reisen, Verhandlungen, Präsentation - aber: "Ich habe aus meinem Hobby einen Beruf gemacht, was will ich mehr."

Privat-Archiv mit Kunstkatalogen

Wenn Herzogenrath Ruhe braucht, fährt er mit dem Rad am Osterdeich entlang oder verzieht sich in sein Arbeitszimmer im Keller. Dort hat er auch sein privates Archiv: Beim Umzug vor sieben Jahren waren es 400 Bücherkartons, heute hat sich die Zahl sicherlich verdoppelt. Kunstbände, Kataloge und Typographien sind die große Sammelleidenschaft des Wulf Herzogenrath. "Wenn er von Reisen zurückkommt, dann schiebt er als erstes die Büchertüten durch die Tür", erzählt seine Frau lachend.

Manchmal wünscht sich der Direktor mehr Gelassenheit. Völlige Ruhe könnte er allerdings nicht aushalten: "Ein Leben auf einer Finca im Süden wäre langweilig." Auf Theater, Kultur und eine anregende Atmosphäre wollen er und seine Frau nicht verzichten. "Dafür sind wir viel zu sehr Großstadtpflanzen."

 

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