"Schulen ans Netz" als Investitionsruine?

Technische Hilfe mangelhaft / Lehrer fühlen sich allein gelassen / S3-Team reicht nicht aus

(veröffentlicht im Weser Report, 20.5.2001)


Bremen. Etwa 5000 Computer stehen in Bremer Schulen, und die Bildungsbehörde konnte Ende vergangenen Jahres Vollzug melden: Alle Bremer Schulen sind am Netz. Doch damit ist es längst nicht getan, protestieren viele Lehrer. Denn oft ist die Frage, wer die Computer pflegt, immer noch ungeklärt.

Meist sind es einzelne computer-begeisterte Lehrer, die sich in die Technologie eingearbeitet haben und nun die Schulcomputer "nebenbei" betreuen. Fünf bis sechs Stunden wöchentlich ist zum Beispiel Volkmar Ahrens, Lehrer am Schulzentrum Hamburger Straße, unterwegs, um Programme aufzuspielen, neue Rechner einzurichten oder Drucker zu reparieren.

Entlastungsstunden nötig

Ahrens wünscht sich, dass die Lehrer für diese Arbeiten Entlastungsstunden bekommen. "Wer den Stundenplan organisiert, erhält dafür auch Verwaltungsstunden, warum nicht auch Netzwerkstunden?"

An den Berufsbildenden Schulen gibt es Verfügungsstunden für die Pflege der technischen Labors, berichtet Theodor Börchers vom Verband der Berufsschullehrer. "Aber bei der Zusammenlegung von drei Schulen zum Technischen Bildungszentrum Mitte sind von 60 Stunden nur 20 Stunden übrig geblieben. Damit fährt man die Technik an die Wand."

Informatikassistenten nötig

Auch Uwe Hehr, Leiter der Grundschule an der Andernacher Straße, stößt ins gleiche Horn: "Ohne kompetente technische Betreuung wird das Projekt 'Schulen ans Netz' schnell eine Investitionsruine." Die Betreuung von Netzwerken könne nicht Aufgabe der Lehrkräfte sein, sondern müsste von Informatikassistenten übernommen werden.

In Italien oder Schweden sei es längst üblich, feste Systemadminstrator an Schulen zu beschäftigen, berichtet Nobert Rüppell, Leiter der Integrierten Stadtteilschule am Leipnitz-Platz. Vielleicht könnten sich auch mehrere Schulen in einem Bezirk einen Systemmanager teilen, schlägt Peter Lankenau, Leiter des Schulzentrums Findorff, vor.

S3 kann nicht überall helfen

Tatsächlich gibt es seit Ende 1999 das S3-Projekt, bei dem Studenten die Wartung von Schulcomputern übernehmen. 270.000 Mark sind im laufenden Jahr dafür eingeplant. Doch das S3-Team, kritisieren die Lehrer, kann nicht überall und sofort helfen, wenn Software-Probleme auftauchen.

Es sei klar, dass die technische Unterstützung der Schulrechner erheblich ausgebaut werden müsse, sagt auch Bildungssenator Willi Lemke. In der Bürgerschaft in dieser Woche kündigte er eine Evaluierung an, die Bedarf und Lösungsmöglichkeiten ermitteln soll. Bis Ende 2001 sollen die Ergebnisse vorliegen.

Systemadministration ist teuer

Das Schulzentrum Findorff hat sich derweil schon zusätzlich andere Hilfe geholt: Regelmäßig kümmern sich Schüler der Fachoberschule Utbremen auch um die technischen Probleme - für 15 Mark die Stunde. Schulleiter Lankenau weiß: "So billig sind richtige Systemadministratoren nicht zu haben." (bik)

 

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