Ersatzteile verzweifelt gesucht

Leidenschaftlicher Sammler repariert alle Arten von Füllfederhaltern

(veröffentlicht im Weser Report, 27.5.2001)


Bremen. Dass Thomas Watkinson Füllfederhalter sammelt, bemerkt der Besucher bereits im Hausflur: Im Treppenhaus hängen alte Emailschilder von Pelikan und Waterman. In seinem Wohnzimmer liegen die Schreibgeräte in etlichen Vitrinen aus, und in seinem Arbeitszimmer sind wohl Tausende in Schränken - das Ersatzteillager.

Denn Watkinson sammelt nicht nur Füller, er ist auch ein Füllfederhalter-Restaurator. Dieser Beruf ist mittlerweile am Aussterben, denn wer schreibt heute noch mit Tinte oder macht sich gar die Mühe, den alten Füller reparieren zu lassen? Das sind oftmals Sammler, die wissen, wie wertvoll ein alter Füller sein kann. Es gibt sogar den Trend zum Füller als Prestige-Objekt, sagt Watkinson: "Rollex am Arm und Montblanc in der Brusttasche."

"Doktor Ink" ist bekannt

Durch Ausstellungen, die Watkinson zusammen mit Parker und Waterman zusammen gemacht hat, ist er bundesweit bekannt geworden. Fragt jemand bei den Herstellern nach einem Reparaturdienst, bekommt er den Tipp, doch in Bremen anzufragen. Und "Doktor Ink", wie sich Watkinson dann nennt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, "alles zu retten, was zu retten ist."

Häufig sind die Kappen aus Hartgummi zerbrochen, oder der Korkstopfen im Kolben ist mit den Jahren ausgetrocknet. Wenn es sich lohnt, dreht Watkinson Hülle und Korken selbst nach. Schwieriger wird es mit alter Kolbenmechanik oder wertvollen Clips: Hier braucht er passende Ersatzteile. Und die sind, je älter der Füller ist, immer schwerer zu besorgen.

Flohmärkte sind Fundgruben

Auf der Suche danach geht er regelmäßig auf Flohmärkte. Ersatzteile für die Reparatur und Spezialitäten für seine eigene Sammlung, wie den zweiseitigen Kontorsfüller (blaue Tinte für die Haben-Spalte, rot für das Soll) oder den Füller, der nur mit Wasser schreibt (und Tintenpulver). Der älteste Füller in seinem Besitz ist etwa 110 Jahre alt. Daneben hat er einen Montblanc-Füller, mit dem bereits Gustav Stresemann schrieb, und eine komplette Pelikan-100-Serie.

Wie viele Schreibgeräte Watkinson insgesamt hat, kann er gar nicht sagen: "Vor etlichen Jahren habe ich aufgehört zu zählen, da waren es 3000." Vor allem die bunten Füller haben es ihm angetan: "Deutsche Produkte sind fast alle schwarz, aber in Dänemark gibt es wunderbare rote Füller."

Traum vom Schnoorladen

Das Reparieren hat sich der Lehrer selbst beigebracht, auch die Geräte zum Teil selbst angefertigt. Und einen Traum will er sich in ein paar Jahren, wenn er in Rente geht, noch erfüllen: Einen kleinen Laden im Schnoor mieten und dort die geliebten Schreibgeräte reparieren. Bis dahin muss er aber noch jede Menge Füller sammeln, denn: ohne Ersatzteile keine Reparatur. (bik)

 

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