Russischer Tango in Moll

Efim Jourist begeisterte in der Glocke

(veröffentlicht im Weser Report, 14.03.2001)


Bremen. Wenn Tango ein "trauriger Gedanke ist, den man tanzen kann", dann kommen dem Zuhörer bei russischem Tango spontan die Tränen. "Russland und Tango kann man nicht erklären, das muss man fühlen." Diese Worte kommen aus berufenem Munde: Efim Jourist, russischer Komponist und Akkordeon-Spieler, zeigte am Sonntag erstmals in Bremen in der Glocke, was er damit meint.

Russische Schwermut gepaart mit südamerikanischem Schmelz, nie kitschig, aber anrührend, dabei swingend und überaus virtuos vorgetragen von Jurists Quartett, bestehend aus Bajan, dem russischen Akkordeon, Geige, Bass und Gitarre. Das Ergebnis: Moll hoch 10.

Mitreißende Rhythmen

Sowohl die Tango-Folge "La Russie" als auch der Zyklus "Bilder aus dem alten Russland" begeisterten das Publikum mit mitreißenden Rhythmen und schwelgenden Harmonien. Dabei variierte das Quartett zwischen Tragik (Der Zug ohne Wiederkehr in den Gulag) und Komödie (Dialog zweier Betrunkener).

Ab und zu blitzten Versatzstücke aus russischen Klassikern und Volksliedern auf, besonders die "Schwarzen Augen" hatten es dem Quartett angetan. Dass sie jedoch auch original Tango perfekt spielen können, bewiesen sie mit Astor Piazollas "Oblivion" und einer fabelhaften Hommage auf den ungekrönten argentinischen Tango-König.

Vorgeschmack auf neue CD

Bei den Zugaben allerdings machte Efim Jourist den "Fehler", ein Stück von seiner ganz neuen CD vorzutragen: Das oft adaptierte "Those were the days my friend" riss am Ende fast alle von den Stühlen und gab einen Vorgeschmack auf das hoffentlich nächste Konzert von Efim Jourist und seinem Quartett. (bik)

 

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