Kinderparadies bei Derdas

Michael Derda vom Waldau-Theater lebt mit seiner Familie im Grünen

(veröffentlicht im Weser Report, 3.6.2001)


Bremen. Mitten im Grünen, am Rande von Worpswede versteckt sich ein Haus hinter blühenden Rhododendren und Tannen. Hier wohnen Theaterintendant Michael Derda und Packhaus-Leiterin Andrea Kraule-Derda mit ihren Kindern Sophia (5) und Julian (3) - ein Paradies für die Kleinen und Ruhepohl für die Erwachsenen.

Die Entscheidung, aufs Land zu ziehen, ist dem Intendanten des Waldau-Theaters und der Geschäftsführerin des Packhaus-Theaters nicht leicht gefallen: "Ich bin ein Fan der Altbremer Häuser", gesteht der Hausherr. "In Bremen habe ich in wunderbaren Wohnungen am Peterswerder oder an der Bismarckstraße gewohnt, aber mit Kindern ist das nichts." Hier auf dem Land können sich die Kleinen frei bewegen, ohne dass die Eltern Angst haben müssen. "Ein bisschen wie heile Welt ist es hier", bestätigt seine Frau.

Fahrt in die Stadt zur Konzentration

Dass sie dafür jeden Tag in die Stadt fahren müssen, nehmen sie gern in Kauf. "Wir haben auch mal im Schnoor gewohnt, also in Spuckweite zur Arbeit, das hat natürlich Vorteile", sagt Andrea Kraule-Derda. "Aber die Fahrt zum Theater und wieder zurück ist auch gut für die Konzentration: Hier bin ich Mama, dort Leiterin eines Theaters."

Dass sie aber ihre Arbeit mit nach Hause nehmen, bleibt nicht aus, wenn beide im gleichen Beruf sind. "Die meiste Vorbereitung findet ohnehin im Kopf statt." Gemeinsam beraten sich die Eheleute im großen Wohnzimmer, in dessen Mitte ein zweiseitiger Kaminofen prangt. Die Wände zieren zahlreiche Gemälde von befreundeten Künstlern - seine eigenen Bilder mag Michael Derda nicht ständig anschauen, obwohl er früher an der berühmten Folkwang-Schule neben Schauspielerei und Regie auch Bildhauerei und Malerei gelernt hat.

Mehr Anerkennung erwünscht

Doch dafür hat er heute keine Zeit mehr. Theater und Kinder halten beide den ganzen Tag auf Trab. "Was brauche ich noch Hobbys? Mein Job ist mein Wunschberuf, und die Kinder sind ebenfalls eine Hauptbeschäftigung", bestätigt die 36-jährige Andrea Kraule-Derda. Nach einem schweren Unfall haben sie ihr gemeinsames Hobby, Reiten, aufgegeben. Jetzt gehen sie lieber mit ihrem Hund Balou durch die Wiesen um Worpswede spazieren. Und wenn der Kopf einmal ganz frei werden soll, fliegt die Familie in den Kurzurlaub.

Doch auch wenn es zeitweise eine "Heidenarbeit" ist, zwei Theater zu leiten, möchte das seit zehn Jahren verheiratete Paar nichts ändern. Nur mehr Anerkennung für ihre hervorragende Leistung hätten sie gern - vor allem von den Politikern der Stadt. "Es wäre toll, wenn wir in einer finanziell weniger angespannten Situation arbeiten könnten", wünscht sich Andrea Kraule-Derda. "Boulevard-Theater produzieren auf Einschaltquote ist ungeheuer hart", bestätigt ihr Mann. Er hegt zudem noch einen anderen Wunsch: Einmal möchte Derda den Oscar bekommen. (bik)

 

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