Bananen und Kultur

Fruchtimporteur Bernd-Artin Wessels: Kunstmäzen mit Sitz in Stuhr

(veröffentlicht im Weser Report, 17.6.2001)


Bremen. Der "Bananen-König" von Bremen, Bernd-Artin Wessels, wohnt am liebsten dort, wo man ihn nicht unbedingt erkennt: Seit mehr als zwanzig Jahren lebt er mit seiner Frau Elke in einem geräumigen Haus in Stuhr-Brinkum, inmitten seiner Skulpturen-Sammlung und Worpsweder Ölbilder.

Die Kunst ist Wessels' leidenschaftliches Hobby, und sie ist in den großen Zimmern allgegenwärtig: Kniehohe Bronzen von Gerd Marcks, Waldemar Otto und Bernhard Hoetger auf Kaminsimsen, Regalen und Fußboden, Gemälde von Otto Modersohn und seinen Worpsweder Freunden an den Wänden. Dazu Schalen, Vasen und Becher aus Silber - "zu jedem einzelnen Stück könnte ich eine Geschichte erzählen", sagt der Geschäftsmann stolz.

Vier Häuser

Neben dem Haus in Stuhr besitzen Wessels noch ein 100 Jahre altes Bremer Haus, eine Villa in Leuchtenburg und ein Häuschen auf Langeoog, wo sie den Sommer verbringen. Doch am liebsten wohnen Wessels' in Stuhr. Das Haus hatte seine Frau entdeckt, mit der er seit 35 Jahren verheiratet ist. Zwei Kinder und bald drei Enkelkinder haben die beiden.

Wessels' beruflicher Werdegang und die Liste seiner zahlreichen Engagements ist beeindruckend: Vorstand des Fruchtimporteurs Atlanta AG, jetzt "nur noch" Aufsichtsratsvorsitzender und Gesellschafter der Scipio AG, daneben sitzt er in diversen Bei- und Aufsichtsräten, ist Vizepräses der Handelskammer, Honorargeneralkonsul für Ecuador, Ehrensenator der Hochschule Bremen, Kunstmäzen, Stiftungsvorsitzender, Experte für "Bananenpolitik" und und und...

Striktes Zeitmanagement

Eine Frage, die ihm oft gestellt wird: Wie schafft er das nur alles? "Ich arbeite und entscheide sehr schnell." Darüber hinaus hat er ein perfektes Zeitmanagement: Jede Woche plant er 100 Stunden ein, 50 Stunden für seinen Beruf, 30 Stunden für die Ehrenämter, und 20 Stunden bleiben ihm für die Hobbys.

Entspannung findet er auf dem Golfplatz, auf dem er sein Handicap von 22 auf 18 verbessern möchte. Doch der Plausch mit Mitspielern ist ihm dabei genauso wichtig. Und während ihn Theater und klassische Musik wenig ansprechen, versäumt er es auf seinen Geschäftsreisen nach London oder New York nie, die neuesten Musicals zu besuchen.

Bernstein in Gläsern

Einsamkeit genießt er dagegen im Urlaub auf Langeoog. Stundenlang läuft er dann mit seiner Frau am Strand entlang und sucht nach Bernstein. Die Schätze sammeln sie in Gläsern, die sie ins Fenster stellen - "ein wunderbares Licht, wenn die Sonne durchscheint."

"Ich war schon immer so ein Leithammel", gesteht der 59-Jährige. "Ich gehe lieber meinen eigenen Weg und höre nicht gern auf andere." Und wer einmal ein Amt übernommen hat, dem werden schnell andere Ämter angeboten. So kommt eins zum anderen. Doch ändern möchte er nichts: "Ich brauche die Beschäftigung, Nichtstun würde mich krank machen."

Kunststudium geplant

Einen faulen Ruhestand in einigen Jahren könnte er sich auch gar nicht vorstellen. Statt dessen will er seinem Hobby, der Kunst, mehr Zeit einräumen: mit einem Studium der Kunstgeschichte. Seine Prüfung in Wirtschaftsmathematik an der Hamburger Universität wird er dieses Jahr ablegen. Und dann möchte er noch die Verbindungen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst verstärken: Dass diese Gebiete nicht unvereinbar sind, dafür ist Wessels der lebende Beweis. (bik)

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