Opern, Pasta und Glas aus Murano

Honorarkonsulin Inge Beutler will die italiensche Lebensweise in die Hansestadt bringen

(veröffentlicht im Weser Report, 24.6.2001)


Bremen. Schon an der Haustür von Inge und Bengt Beutler warnt ein Schild: "Attenti al cane" und macht deutlich, welches Land in diesem Altbremer Haus eine ganz besondere Rolle spielt: Italien ist die große Leidenschaft des Ehepaares, und Inge Beutler hat daraus seit etlichen Jahren einen Beruf gemacht: Sie ist Honorarkonsulin für Italien.

"Ich mag die Italiener, sie sind so lebensfroh, alles das, was wir Deutschen gern wären." Wenn die gebürtige Rheinländerin so begeistert erzählt, dann passt ihr Temperament gut zu den etwa 3000 Italienern in Bremen, für die sie die konsularischen Aufgaben übernimmt: Pässe verlängern,Übersetzungen beglaubigen, Heiratsurkunden überschreiben.

Ehrenvolle Aufgabe

Seit 1986 hat die 57-Jährige das Amt inne, vorher assisierte sie jahrelang ihrem Vorgänger. "Als der dann wieder zurück nach Italien ging, bat man mich, diese Aufgabe zu übernehmen - eine große Ehre für mich!"

Besonders gern kümmert sich die zweifache Mutter und Großmutters eines sechs Monate alten Jungen um die kulturellen Belange: Auf dem Flügel im Konsulat am Sielwall haben bereits zahlreiche Künstler musiziert, italienische Autorenlesungen und Ausstellungen hat Inge Beutler veranstaltet: "Leider haben wir ja kein eigenes Kulturinstitut hier, da muss ich eben etwas machen."

Singende Konsulin

Die künstlerische Ader ist bei ihr ohnehin ausgeprägt: Gemeinsam mit ihrem Ehemann, der Juraprofessor an der Bremer Universität ist, liebt sie es, Opern und Theater zu besuchen. Daneben zeichnen sie gern, Gemälde und Zeichnungen von Otto Kokoschka und Horst Janssen schmücken die hohen Wände. Neben den gemütlichen Sesseln stapeln sich Bücher, und beide musizieren: "Mein Klavierspiel ist zwar schon etwas eingerostet, aber ich singe ganz gern." Zurzeit unterrichtet Inge Beutler sogar angehende Sänger an der Musikhochschule in Italienisch - "damit sie wissen, was und wie sie singen müssen."

Passend zu ihrem Beruf hat sie auch eine Wohnung in Venedig - mit Blick auf die alte Oper. "Leider bin ich viel zu selten dort, nur alle drei Monate ein paar Tage." Aber sie und ihr Mann lieben die Stadt und die vielen Kulturangebote dort ebenso wie Bremen - "der große Unterschied ist nur, dass ich hier alles mit dem Rad erreichen kann." Wenn sie in ein paar Jahren einmal weniger Zeit mit der konsularischen Arbeit verbringt, freut sie sich schon darauf , endlich länger in Italien leben zu können.

Liebt Stoffe

Wenn andere aus dem Italien-Urlaub Pasta und Olivenöl mitbringen, kann sie nicht wiederkommen, ohne einen Bummel durch die Textilgeschäfte gemacht zu haben. "Erst einmal kaufe ich die Stoffe und überlege mir danach, was ich daraus nähen könnte." Kleider oder Vorhänge nähen ist für Inge Beutler echte Entspannung.

Ein weiteres Mitbringsel ist in ihrem Wohnzimmer dekorativ ausgestellt: mundgeblasene Gläser aus Murano. Von den farbigen Gläsern gefallen ihr die schlichten am besten: "Darin kommt der Wein am besten zur Geltung."

Kulinaria

Dass Wein und Essen in der italienischen Kultur eine große Rolle spielt, gefällt Inge Beutler. Deutschen Gästen serviert sie denn auch gern italienische Kulinaria - bei Italienern hat sie Bedenken: "Die kochen selbst viel zu gut." (bik)

 

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