Ideenkorb immer gefüllt

Schriftsteller Jürgen Alberts und seine Frau sind ein gutes Team

(veröffentlicht im Weser Report, 18.3.2001)


Bremen. Die Wohnung von Jürgen und Marita Alberts sieht so aus, wie sich ein Leser die Wohnung eines Schriftstellerehepaares vorstellt: Meterlange Regale, Buchstapel auf dem Schreibtisch, Papierberge auf dem Flügel. Dazwischen moderne Gemälde und eine Maskensammlung, die von den vielen Reisen zeugt.

In diesem Altbremer Haus mitten im Viertel entstanden also die Kurzgeschichten über J.B. Cool, die Bremen-Krimis, die Romane vom Violinkönig und Hitler in Hollywood. Und auch die gemeinsamen Reiseromane wurden hier zu Papier gebracht. "Auf langen Spaziergängen haben wir uns schon immer Gedankenromane ausgedacht, die wir gegenseitig weitergesponnen haben", erzählt Marita Alberts. Irgendwann haben sie dann beschlossen, diese Geschichten aufzuschreiben - in diesem Frühjahr erscheint bereits das fünfte gemeinsame Buch.

"Irgendwann mache ich das"

An Plänen für neue Projekte mangelt es Alberts nie. "In meinem Ideenkörbchen liegt vieles zwar schon seit Jahren, aber irgendwann mache ich es auch." Wenn er denn Zeit dazu findet. Denn seine Tage sind bereits gut ausgefüllt mit der Arbeit an neuen Büchern, Lesungen mit Kollegen, der Organisiation von Krimi-Tagen. Sein neuestes Projekt: Er möchte Menschen dokumentieren, die eine natürliche Begabung dafür haben, spannende Geschichten zu erzählen - "wie damals bei den Brüdern Grimm".

Ein Tausendsassa war Jürgen Alberts schon früh: Bereits als Schüler engagierte sich der 1946 im westfälischen Siegerland geborene Apothekerssohn bei der Schülerzeitung und einer Kabarettgruppe, hatte seinen ersten Auftritt im Fernsehen und schrieb für Zeitungen Theaterkritiken. "Ich konnte Marita immer mit zu den Premieren nehmen." Seine Jugendliebe hat er 1974 geheiratet.

Preise von Beginn an

Mit seinem ersten Roman 1969 wurde er von Peter Härtling entdeckt, gewann den anerkannten Förderpreis der Villa Massimo. Zwischenzeitlich promovierte er über die Bildzeitung und zog mit seiner Frau nach Bremen, wo sie an der noch jungen Universität studierte.

1978 ging er für ein Stipendium nach Italien und arbeitete anschließend als "Halbzeit-Autor": "Ich hatte einen Herbst-Winter-Mann, den Rest des Jahres war er als Dokumentarfilmer unterwegs", erzählt Marita Alberts. Erst 1987 beschloss er, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen.

"Hauptsache in den Süden"

Während sie mit ihrem Lehrergehalt für die "Grundversorgung" zuständig ist, leisten sie sich von seinem Einkommen den Luxus von ausgiebigen Reisen. Nach Sri Lanka, Indien, Kanarische Inseln, Italien - "Hauptsache es geht in den warmen Süden", sagt der wetterempfindliche Schriftsteller.

Kinder haben sie nie vermisst, aber jetzt, da die Freunde bereits Enkelkinder haben, werden sie nachdenklich. "Aber was soll's", sagt Jürgen Alberts. "Man hat nur ein Leben, und mit dem muss man sich arrangieren."

"Arbeit sieht aus wie Vergnügen"

Beruf und Privatleben kann das Ehepaar Alberts nur schwer trennen - "selbst zwischen Saunagängen basteln wir an den Projekten" -, aber manchmal müssen sie auch ganz bewusst eine Auszeit nehmen. "Es sieht ja immer wie Vergnügen aus, aber es ist Arbeit." Dann lesen sie oder gehen in die Oper, ein erst vor kurzem entdecktes Vergnügen. Oder der Genuss-Mensch Jürgen Alberts kocht für Frau und Freunde.

Mit seinen Büchern, das weiß Alberts, kann er nur eine kleine Minderheit erreichen. "Aber ich bin froh, dass ich überhaupt machen kann, was ich wirklich möchte." Und für die nächsten Jahre ist sein Ideenkörbchen noch gut gefüllt. (bik)

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