Zahlen trotz Kündigung?

Ungereimtheiten bei telcon: Versicherung droht mit Zwangsvollstreckung

(veröffentlicht im Weser Report, 1.7.2001)


Bremen. Vor einigen Tagen erhielt Heinrich Buck unerwartet Post: Er schulde der telcon-Versicherung 659,11 Mark und solle diese Forderung innerhalb von sieben Tagen begleichen, anderenfalls drohe Zwangsvollstreckung. Verwunderlich nur, dass die telcon die Unfallversicherung von Buck ihrerseits bereits zum März 1998 gekündigt hatte - aus Gründen, die ihm nie mitgeteilt wurden.

Hintergrund ist offenbar die Fusion von Winterthur Versicherungen, zu der telcon gehörte, mit der Deutschen Beamtenversicherung (DBV) vor sechs Jahren. In deren Verlauf wurde dem Bremer Versicherungsmakler Peter Kiesch der Vertrag mit telcon gekündigt - und darüber hinaus auch alle Policen, die er im Laufe der Jahre vermittelt hatte, auch die von Heinrich Buck.

Mahnbescheid und Schuldtitel

Buck ging davon aus, dass er keine weiteren Beiträge zu zahlen brauchte. Doch weit gefehlt: Zwei Jahre nach dem Ende des Versicherungsschutzes bekam er einen Mahnbescheid, gegen den er keinen Widerspruch einlegte. Er versteht die Welt nicht mehr, ist sich keiner Schuld bewusst, denn die Unfallversicherung wurde ihm doch gekündigt. Mittlerweile wurde aus dem Mahnbescheid ein Schuldtitel, den jetzt ein Inkassounternehmen eintreiben will. Die Forderung über 659 Mark bezieht sich auf August 1999 bis Juni 2001 - als die Versicherung längst beendet war.

Die Sache ist kein Einzelfall: Versicherungsmakler Kiesch weiß von anderen Kunden, denen ebenfalls von der telcon gekündigt wurde, aber immer noch die Beiträge eingezogen werden sollten. Bei manchen sogar mit Erfolg - sie mussten sich ihr Geld im Nachhinein zurück holen.

Vieles durcheinander

Bei telcon sei einiges durcheinander gelaufen, erklärt Kiesch: "Da weiß die linke Hand scheinbar nicht, was die rechte macht." So hat ein anderer Versicherungsnehmer erst die Auskunft erhalten, er würde kein Krankengeld erhalten, einige Monate darauf wurde ihm die Zahlung "aus Kulanzgründen" versprochen, und schließlich schrieb telcon, dass auch die Zahlung aus Kulanzgründen ausgeschlossen werde.

Doch egal ob rechtens oder nicht, gegen den Schuldtitel kann Heinrich Buck nach Auskunft seines Anwaltes nichts machen. Die Rechtsabteilung der DBV in Wiesbaden winkte auf die Nachfrage vom WESER REPORT zunächst ab: "Wenn Klienten einen Mahnbescheid ignorieren und eine Schuldtitel erhalten, dann versuchen sie es über die Medien." Jedoch versprach man, die Angelegenheit zu überprüfen. (bik)

 

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