"Grüne Oma" und Musiknarr

Christine und Klaus Bernbacher: Auch im Alter immer neue Aufgaben

(veröffentlicht im Weser Report, 1.7.2001)


Bremen. Ein Gemälde im Wohnzimmer von Christine und Klaus Bernbacher bringt einen großen Teil ihres Lebens auf den Punkt: Er am Dirigentenpult, sie vor der Bürgerschaft. Die beiden 70-Jährigen haben das Bild zu ihrem Geburtstag geschenkt bekommen. Doch an Ruhestand ist bei Bernbachers nicht zu denken.

Ihr Haus am Schwachhauser Ring, in dem sie seit 25 Jahren leben, hat bewegte Zeiten erlebt: 1978 wurde an dem Esstisch die erste grüne Partei Deutschlands gegründet mit Christine Bernbacher in erster Reihe. Hier wurden Pamphlete und Plakate entworfen und nicht zuletzt heiß diskutiert. Vor allem, nachdem Klaus Bernbacher 1995 die AfB mitgründete: "Es gab stets einen Grundkonsens zwischen uns, aber auch immer unterschiedliche Spielarten."

Großfamilie

Hier versammelt sich auch die vielköpfige Familie regelmäßig zum Brunch: Vier Kinder und sieben Enkelkinder kommen dann zu Besuch. "Die Familie ist eines meiner Hobbys", sagt die "grüne Großmutter" begeistert.

Kennengelernt haben sich die beiden 1947 in Hannover, ihrer Heimatstadt: "Aber damals waren wir ja noch Schüler, da mussten wir erst einmal was werden." Also ging Christine nach England, lernte dort Krankenschwester und Hebamme. Als sie Mitte der 50-er Jahre zurückkehrte, heiratete sie ihren Klaus, der zu diesem Zeitpunkt bereits Dirigent war. Als er dazu noch bei Radio Bremen als Musik-chef für ernste Musik anfing, folgte ihm die Familie.

Zahlreiche Ehrenämter

Das Berufsleben liegt längst hinter ihnen, aber noch sind sie fast genauso viel unterwegs wie früher: Christine Bernbacher engagiert sich in zahlreichen Ehrenämtern, ist Ehrenvorsitzende der Grünen, hilft im Wahlkampf. Klaus Bernbacher ist im Rundfunkrat, im Deutschen Musikrat, hält Lesungen, macht Museumsführungen. "Ganz wichtig ist es, sich auch im Alter immer neuen Aufgaben zu stellen", sind sie überzeugt.

Was sie jetzt allerdings allerdings genießen, ist eine ausgiebige Siesta und lange Leseabende. Und endlich findet Christine Bernbacher mehr Zeit für ihre Kunst: Sie malt und schafft Skulpturen aus Ton, Stein und Bronze. Und er schreibt seine Erinnerungen an fast 50 Jahre Musikkultur auf: "Wenn wir einmal sterben, gehen sonst ganz viel Erlebnisse verloren." (bik)

 

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