Zwischen Kühen und Politik

Landesfrauenrätin Annedore Windler liebt die Schwarzbunten

(veröffentlicht im Weser Report, 8.7.2001)


Bremen. Kühe spielen im Leben von Annedore Windler eine große Rolle: Nicht nur haben sie und ihr Mann Gerd einen der wenigen Bauernhöfe mitten in der Stadt. Daneben hat die Frauenpolitikerin auch noch eine der vielleicht größten Kuh-Sammlungen Bremens.

Ob Klavierhocker oder Klopapierhalter, im gesamten Haus in der Neustadt finden sich schwarzweiß-gefleckte Spuren dieser Leidenschaft. Und in einem Extra-Raum stapeln sich in Regalen leere Milchtüten und -flaschen, Kochbücher und Kuhfiguren in allen Formen, Farben und Größen.

Landwirtschaft und Frischdienst

Die gesamte Familie von Annedore Windler ist mittlerweile angesteckt: Die siebenjährige Tochter Rebecca trägt am liebsten ein Kuh-T-Shirt. Und im Stall stehe im Winter etwa 35 echte Kühe. "Jetzt machen die Tiere gerade Ferien auf dem Bauernhof", scherzt die Landwirtin und Kauffrau: "sie stehen auf einer Weide in Huchting."

Um die Landwirtschaft kümmern sich ihr Ehemann und der älteste Sohn (27). Ihr Bereich ist der Frischdienst: Vorzugsmilch, Joghurt und andere produkte kommen von der Molkerei in ihre Kühlkammer, bevor sie sie anschließend an Reformhäuser, Kindergärten und Privatpersonen in der Umgebung ausliefert.

"Politik kribbelt"

Doch als ob all das nicht schon ausreicht, um einen Tag zu füllen, engagiert sich Annedore Windler noch in der Frauenpolitik: Die Landesvorsitzende der Frauen-Union ist seit 1997 Landesfrauenrätin und seit 1999 CDU-Bürgerschaftsabgeordnete. "In die Politik bin ich gegangen, als meine beiden Söhne groß waren", erzählt sie. Damals ging es darum, die Drogenszene aus der Ottostraße zu vertreiben. "Da hab ich gemerkt, dass ich etwas verändern kann. Politik kribbelt und ist höchst spannend."

Obwohl sie selbst eine starke Frau ist, weiß Annedore Windler, dass viele ihrer Geschlechtsgenossinen unterdrückt werden. Für die möchte sie etwas tun. "Früher hab ich immer die Kühe gescheucht, jetzt scheuche ich eben die Menschen, damit sich etwas bewegt."

Großfamilie als Stütze

So pendelt der Alltag der resoluten 45-Jährigen zwischen Kühen, Molkereiprodukten und Sitzungen. Ohne ihre "Großfamilie" mit drei Kindern, zwei Enkelkindern und etlichen Verwandten könnte sie das alles gar nciht schaffen: "Bei uns muss jeder ran."

Die Hände in den Schoß zu legen, fällt ihr schwer. Zur Entspannung muss sie sich regelrecht zwingen, sagt sie und lacht: "Vor allem in der ersten Urlaubswoche ist es am Schlimmsten." In der Türkei oder auf den Campingplatz fährt sie mit der Tochter - ihr Mann muss sich um den Hof kümmern.

Töpfern

Wenn sie einmal mehr Zeit hat, möchte sie gern ihre kreative Ader ausbauen: Früher hat sie getöpfert, kommt aber nicht mehr dazu. "Ich kann mir auch vorstellen, das gewerblich zu machen. Aber es muss sich auch lohnen, dafür bin ich zu sehr Kauffrau." (bik)

 

Hier geht's zurück zum Weser Report