Hatten Sie Sex mit Fliegen?

Die Tiger Lillies blühten erneut im Jungen Theater

(veröffentlicht im Weser Report, 8.7.2001)


Bremen. Wenn Tom Waits ein Trio wäre und das hohe C singen könnte, dann wäre er eine Tigerlilie. Die Meister des gesungenen schwarzen Humors, die Tiger Lillies, blühten am Donnerstag und Freitag erneut im Jungen Theater und begeisterten ein zwar kleines, aber feines Publikum.

Mit der neuen CD "The Brothel to the Cemetery" haben die Briten mal wieder ihre Vielseitigkeit bewiesen: Musikalisch bewegen sie sich zwischen balladenhaft-romatischen Chansons mit Gänsehaut-Faktor zehn wie "Sailor" und abgedreht-blasphemischen Punksongs wie "Banging in the nails".

Morbide Texte

Makaber geht es zu in ihren Texten. Von missbrauchten Kindern, die ihren Vater ermorden, ist dort die Rede oder von dem gar traurigen Leben einer Prostituierten. Überhaupt spielt der Tod in all seinen Spielarten eine große Rolle in den brecht'schen Stücken der Briten - ob Selbstmord, Mord oder Krankheit, Morbidität ist ihr Markenzeichen.

Dabei sind sie aber ganz und gar nicht traurig: Bassist Adrian Stout und Schlagzeuger Adrian Huge tragen zum Beispiel einen Schuhplattlerwettkampf aus, der sich gewaschen hat. Und Huge, der von David Byrne als "James Joyce am Schlagzeug" bezeichnet wurde, zerlegt in "Banging in the nails" kunstgerecht sein Drumset.

Wunderbarer Falsett

Über allem schwebt der wunderbare Falsett des Sängers Martyn Jacques, der mal weinerlich, mal grantig, mal wie ein Kind, mal wie eine Feuersirene und immer Grimassen schneidend dem Irrwitz eine Stimme gibt. Wenn er von seinen vergeblichen Versuchen erzählt, Sex mit Fliegen zu haben, glaubt man es ihm fast.

Wunderbarer Abschluss der Zugaben, nach dem das Publikum die schwitzenden Musiker dankbar entließ: eine Cover-Version von Stephen Sondheims "Send in the clowns", mit Jacques am Piano. So muss es klingen, wenn Tom Waits das hohe C treffen würde. (bik)

Externe Links:

 

Hier geht's zurück zum Weser Report